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„Es waren Kinder wie wir“ Theaterstück der Osnabrücker Domschule erinnert an jüdische Kinder

Von Michael C. Goran | 04.11.2021, 19:51 Uhr

Auch in diesem Jahr wird in Osnabrück mit einer Gedenkveranstaltung an die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 durch die Nationalsozialisten initiierten antijüdischen Pogrome erinnert. Dieses Mal in Form eines Theaterstücks.

Jedes Jahr übernimmt eine Osnabrücker Schule die Aufgabe, ein Erinnerungsprogramm zu entwickeln. Die Schüler der diesmal zuständigen Domschule habe sich für ein Theaterstück entschieden und boten während einer öffentlichen Probe am Donnerstag in der Aula des Schlosses einen Einblick in das Schauspiel.

„Wir wollten bewusst an Kinder erinnern, die damals in Osnabrück gelebt haben“, erklärte Martina Hallmann, Fachbereichsleiterin Geschichte, Politik, Erdkunde der Domschule. Das Theaterstück ist eine Kombination aus Schauspiel mit musikalischen Einlagen. Teil des Ganzen ist eine Ausstellung der Domschule, die anhand von historischen Fotos und Zitaten das Leid jüdischer Kinder eindrucksvoll zeigt. Kinder, die damals in Osnabrück Ausgrenzung und Verfolgung erlitten, die Osnabrück verlassen mussten oder auch im frühen Kindesalter ermordet wurden. Der Titel der Veranstaltung lautet „Sie waren Kinder. Schüler. Freunde. Erinnern für die Zukunft“.

„Die Schüler haben das Theaterstück selber konzipiert“, so Kerstin Falk, Lehrerin des Wahlpflichtkurses Gruppe 8 stolz. Die siebte und die achte Jahrgangsgruppe führten verschiedene Szenen auf, in denen sie das Leid der jüdischen Kinder interpretieren. Immer wieder setzten die Schüler die Schicksale in Bezug zu aktuellen antisemitischen Äußerungen und Straftaten, die in den vergangenen Jahren in der Bundesrepublik geschehen sind. „Und es hört nicht auf!“

Domschülerin Hilke sagte: „Es ist manchmal schwer, beim Vorlesen den richtigen Ton zu treffen. Man will ja auch nicht mit der Stimmlage sagen, dass man es verharmlost, sondern es ist ja wirklich schlimm, was passiert ist.“ In einer Szene geht es darum, dass ein jüdisches Mädchen nicht mit den anderen Kindern spielen darf. „Es ging damals darum, dass Juden ausgeschlossen waren. Das ist einfach Mobbing. Es ist nicht okay, wenn Leute ausgegrenzt werden, zum Beispiel wegen ihrer Religion oder ihrer Hautfarbe“, so Domschüler Paul.

Die Thematik beschäftigte die Schüler auch bei den Übungen. „Wir haben es uns vorher durchgelesen und überlegt, wie wir das vortragen können. Es ist ja auch nichts Einfaches, was wir vorlesen. Es steckt eine Botschaft dahinter“, sagte Domschülerin Emma.

Auf der Bühne zu stehen ist den Schülern eine Ehre, einfach ist es nicht. „Es ist auf jeden Fall schwierig“, erklärte Domschüler Max. „Es gibt hin und wieder mal einen Lacher, wegen der Aufregung, das ist natürlich nicht negativ gemeint. Das ist die positive Aufregung, ob es den Zuschauern gefällt.“

„Die Schulen entwickeln jedes mal etwas Eigenes“, erklärt Christine Grewe, Leitern des Büros für Friedenskultur der Stadt Osnabrück. „Wir lassen den Schulen da einen großen Spielraum. Oft werden Schüler in die Entwicklung des Programms mit einbezogen, was wir für besonders wichtig halten, damit sich die Schüler damit auch identifizieren. Es ist auch ihre Veranstaltung.“

Mehr Informationen:

Das Theaterstück beginnt am Dienstag, 9. November, um 16.30 Uhr in der Aula des Schlosses. Es gibt die Möglichkeit, sich für eine Teilnahme in Präsenz unter Einhaltung der 3G-Regel anzumelden. Zudem wird die Veranstaltung live gestreamt. Anmeldung für die Veranstaltung in Präsenz: Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück, Telefon 0541 323-2462, E-Mail: friedenskultur@osnabrueck.de