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Leiser Speicher Ende 2019 fertig Theaterpädagogische Werkstatt will in „Leisen Speicher“ einziehen

Von Tom Bullmann | 01.03.2019, 16:02 Uhr

Die ersten Mieter haben unterschrieben: Nachdem im „Lauten Speicher“ fast alle Proberäume vermietet sind, startet die Investorengruppe mit der Sanierung und Vermietung des „Leisen Speichers“.

Anna Pallas bekommt ein Leuchten in den Augen: „Wir haben noch viel vor. Und am neuen Standort haben wir alle Möglichkeiten, unsere Visionen umzusetzen“, sagt die Theaterpädagogin voller Enthusiasmus. Vor 25 Jahren hatte die Osnabrückerin die tpw, die theaterpädagogische Werkstatt, gegründet. Nach der Anfangszeit in der Lagerhalle zog das Unternehmen in die Lange Straße um, wo die Arbeit als Tourneetheater erfolgreich ausgebaut werden konnte. Mittlerweile hat die tpw 14 feste und 180 freie Mitarbeiter – und die Räumlichkeiten an der Langen Straße reichen schon lange nicht mehr.

Mal "laut", mal "leise"

„Schon vor fünf Jahren, als ich zum ersten Mal davon hörte, dass in den Speichern am Hafen eine Art Kreativzentrum entstehen soll, war ich Feuer und Flamme“, erinnert sich Pallas. Doch dann passierte erst mal gar nichts - bis eine Investorengruppe die Immobilien erwarb, um daraus einen „lauten“ und einen „leisen Speicher“ zu machen. „Ich war überrascht, mit welcher Energie die vier Investoren ihr Projekt in die Tat umgesetzt haben“, staunt Anna Pallas. Die tpw ist jetzt die erste Mieterin, die einen Vertrag für Räumlichkeiten im „leisen Speicher“ unterzeichnet hat.

Zirka 380 Quadratmeter, die der tpw ab Ende des Jahres zur Verfügung stehen sollen, werden zurzeit nach Pallas Wünschen umgebaut. Probe- und Besprechungsräume haben die passende Größe, die Büros werden mithilfe von gläsernen Trennwänden transparent gestaltet. „Das Beste ist aber, dass wir weitere Räume mitnutzen können“, sagt sie. Dabei denkt sie an den großen Raum, der unter dem Dach des „Leisen Speichers“ entstehen wird und in dem sie Seminare und theaterpädagogische Projekte für größere Gruppen organisieren kann. Außerdem hat sie Ideen für Veranstaltungen im lauten Speicher, wo in Parterre ein Saal mit Bühne und Gastronomie entsteht. „Wenn hier die Kreativität pulsiert, kann man die Synergien nutzen. Musiker, bildende Künstler, Tänzer können gemeinsam etwas auf die Beine stellen.Ein Traum wäre darüber hinaus ein Off-Theater, ein freier Theaterbetrieb in einem der Speicher“, meint Pallas, die vor Ideen nur so sprüht.

Interessante Mixtur

„Obwohl wir jetzt erst mit der Sanierung des zweiten Speichers anfangen, stehen die Verträge für die Hälfte des Raumangebots schon kurz vor dem Abschluss“, erklärt Matthias Folkers von der Osnabrücker Speicher GbR. Auch für den Rest der insgesamt 3500 Quadratmeter, die letztendlich im „Leisen Speicher“ zur Verfügung stehen werden, ist Folkers optimistisch: „Es wird eine interessante Mixtur aus Psychologen, Werbeagenturen, Fotografen und Autoren, die hier einziehen wollen“, sagt er und fügt hinzu: „Wer jetzt Interesse anmeldet, für den können wir den Raumbedarf, soweit es möglich ist, noch individuell zuschneiden.“

Derweil läuft der Betrieb im „Lauten Speicher“ mittlerweile auf Hochtouren: Seit dem 1. März sind 45 Proberäume vermietet. In den nächsten Tagen holen sich weitere 20 Bands ihren Schlüssel ab. „Lediglich zwei Proberäume sind noch zu haben“, bestätigt Carsten Gronwald, der sich im Auftrag der Eigentümer um die Bands kümmert. Früher managte er die Proberäume am ehemaligen Güterbahnhof: „Es ist eine wahre Freude zu sehen, wie wohl sich die Musiker hier fühlen, die vorher am Bahnhof gerade im Winter in ihren feuchten, kalten Räumen hockten.“

Video: Die Entstehung eines neuen Hotspots in Osnabrück

Vollauf zufrieden zeigt sich auch Joachim Brüntjen, der mit seiner „Ecole de Batterie“ von der Neulandstraße in den „Lauten Speicher“ umgezogen ist. „Gerade meine jungen Schüler sind begeistert. Für die ist es ein richtiges Abenteuer, wenn sie auf das Gelände im Hafen kommen und mit dem Aufzug in die Etage fahren, in der ich mich mit meiner Schlagzeugschule eingerichtet habe“, sagt Brüntjen. Mit Workshops, Performances und einem Schülerkonzert feiert er am 25. März die Neueröffnung seiner Schule. „Wir werden den Großen Raum unter dem Dach mitnutzen, er wird dann zum ersten Mal bespielt“, freut er sich.

Musiker wollen selbst aktiv werden

Und was tut sich am Limberg, wo die meisten Osnabrücker Bands bisher ihre Proberäume hatten, die aber zum Juni gekündigt wurden? „Einige sind in den Speicher eingezogen, einige haben etwas anderes gefunden, einige sind aber noch in ihren Baracken und auf der Suche nach einer bezahlbaren Alternative“, sagt Silas Jakob von der Musikerinitiative, die sich am Limberg gegründet hatte. „Wir haben uns den Tipp der städtischen Verwaltung zu Herzen genommen, doch selbst aktiv zu werden und zu investieren“, sagt Jakob. Ein Konzept sieht vor, dass die Musiker der Stadt eine Liegenschaft zwecks Nutzung als Proberaumzentrum abkaufen. „Wir haben dieses Konzept Anfang des Jahres an den Stadtbaurat, Herrn Otte, geschickt und um ein Gespräch gebeten, bisher aber keine Antwort bekommen“, macht er seiner Enttäuschung Luft.