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Theater Osnabrück Operngala beendet Theatersaison

Von Jan Kampmeier | 27.06.2016, 16:42 Uhr

Das wars: Mit der Operngala ging die Spielzeit am Theater am Domhof offiziell zu Ende. Zu diesem Anlass war noch einmal (fast) das gesamte Opernensemble gefragt.

Orchester, Chor und Kinderchor, neun Sängerinnen und Sänger sowie fünf Dirigenten boten kleine Häppchen aus Oper, Operette und Musical. Der Auftakt ist noch etwas asketisch, denn Beethovens kaum gespielte erste Leonoren-Ouvertüre beginnt mit eher dürren Streicherklängen, die das Orchester unter Andreas Hotz dazu noch in der fettarmen Ausführung ohne Vibrato serviert. Das ist überhaupt nicht abwertend gemeint, denn das Orchester bewährt sich vorzüglich in der transparenten Struktur.

Warten auf üppige, klangselige Opernkost

Auf die üppige, klangselige Opernkost muss man allerdings noch etwas länger warten, denn Rhys Jenkins zieht es vor, sich in seiner ersten Operngala mit einer wirklich „bösen“ teils auch brutalen Musik zu präsentieren: dem „Credo des Jago“ aus Verdis „Otello“. Einen Bösewicht gibt auch Daniel Wagner, doch sein Golo aus Schumanns Oper „Genoveva“ präsentiert sich dennoch mit freundlichen Klängen. Chor und elfköpfiger Kinderchor präsentieren sich mit der durch Rhythmus und Humor geprägten Nummer aus Carl Orffs Oper „Der Mond“.

Mit stimmlicher Wucht

Der Rest des Programms ist klanglich große Oper, und der Begriff schließt hier Operette und Musical mit ein. Diesen beiden Gattungen ist die zweite Hälfte vorbehalten, die allerdings mit einer der bekanntesten Ouvertüren Rossinis beginnt: Für „Il Signor Bruschino“ ist Daniel Inbal zuständig. Es folgt das „Uhrenduett“ (Strauß: „Die Fledermaus“), das Susann Vent-Wunderlich und Jan Friedrich Eggers geradezu draufgängerisch singen und auch lustvoll spielen, letzterer zeigt gleich noch mit stimmlicher Wucht in einem unbekannten Kálmán Neigung zur Operette.

Ausflug ins frühe Musical

Eine ganz andere Farbe steuert José Gallisa bei, der mit Jerome Kerns „Show Boat“ einen Ausflug ins frühe Musical unternimmt. Besonders bejubelt werden drei Künstler. Bei Almerija Delic , die das nach ihrem wie immer temperamentvollen Auftritt mit Robert Stolz‘ „Spiel auf deiner Geige“ allerdings ohnehin verdient hat, ist es ein herzlicher Abschiedsapplaus, weil sie das Ensemble verlässt. Kaum zu glauben, dass man sie zur Operette erst überreden musste, wie Ralf Waldschmidt einfließen lässt.

Makelloser Gesang

Bei Hans-Hermann Ehrich ist der Jubel die Reaktion auf sein schwungvoll geschmettertes „Funiculi Funicula“, mit dem er absolut nicht spüren lässt, dass er der Senior im ansonsten ziemlich jungen Ensemble ist. Schließlich Lina Liu, die sich als Tosca empfiehlt und in der Arie „Vissi d’arte“ nicht nur wie gewohnt den makellosen Gesang ihrer sanften Stimme erklingen lässt, sondern auch das Kunststück zuwege bringt, in einem drei Minuten-Schnipsel auch die entsprechenden Emotionen zu vermitteln, Trauer und Verzweiflung. Der Schluss des Abends dagegen gehört einer anderen Empfindung, denn das ganze Ensemble verabschiedet sich mit Verdi und „Tutto nel mondo è burla“ in die Ferien: „Die ganze Welt ist Spaß“.