Ein Artikel der Redaktion

Talk in der Kunsthalle Osnabrück María José Arjona im Gespräch mit dem Publikum

Von Dr. Stefan Lüddemann | 23.02.2016, 20:29 Uhr

Wie kommt meine Kunst eigentlich an? Nicht alle Künstler fragen sich das. Maria José Arjona schon. Sie lädt Besucher in der Kunsthalle Osnabrück zum Talk auf dem Sofa.

In Ausstellungshäusern schweigt die Kunst. Und die Künstler sowieso. Die sind meistens ohnehin nicht da. Bei María José Arjona ist das ganz anders. „Ich möchte von Ihren Erfahrungen lernen“, sagt sie. In regelmäßigem Turnus setzt sie sich im Foyer der Kunsthalle Osnabrück auf das gelbe Sofa, um mit Besuchern über ihr Kunstprojekt „You are splendid!“ zu sprechen. Hier weiterlesen: „Ein Vöglein hat mir gezwitschert“ - so war die Performance .

Wie war die Performance?

Am Dienstagnachmittag geht es nicht nur um die Ausstellung und ihr Konzept. Die kolumbianische Performancekünstlerin will vor allem erfahren, wie ihre letzte Performance „Ein Vöglein gezwitschert“ angekommen ist. An drei Tagen, vom 19. bis 21. Februar, hatte sie Besucher im Viertelstundenrhythmus einzeln in ihre Performance gebeten. Jeder Besucher hatte mit verbundenen Augen auf einem Stuhl zu sitzen und einer Geschichte zuzuhören. Dazu gab es Vogelstimmen und andere Geräusche. Und vor allem Berührungen. María José Arjona las für jeden Besucher eine ihrer Geschichten von ungeklärten Todesfällen und nahm mit sorgsam gesetzten Berührungen Körperkontakt zu ihren Besuchern auf. Hier weiterlesen: Die Künstlerin Maria José Arjona im Porträt. 

Auf dem gelben Sofa

Jetzt sitzt sie auf dem gelben Sofa, ganz in Schwarz, mit splendider Halskette. „In Lateinamerika berühren sich die Menschen viel häufiger als in Europa, auch um dem, was sie sagen, noch mehr Ausdruck zu verleihen“, erläutert die Künstlerin kulturelle Unterschiede. Deshalb fragt sie nach: Wie sind Berührungen während der Performance empfunden worden? Wie haben die Besucher in Osnabrück die Geschichten verstanden? Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Termine der Performances. 

Wie in einer Zeremonie

In der Runde gehen die Meinungen weit auseinander. „Haben Sie immer so kalte Hände?“, fragt eine Besucherin und erntet dafür Lacher, auch bei der Künstlerin. „Ich fühlte mich wie bei der Zeremonie eines Schamanen“, berichtet eine weitere Besucherin. Oder: „Die Geräusche gaben mir das Gefühl, auf einem Bahnhof zu sein. Die Berührungen haben mich eher irritiert.“ Hier weiterlesen: Maria José Arjona - Angebote der Kunstvermittlung .

„Ich mochte die Situation“

„Jeder von Ihnen trägt entscheidend zur Performance bei“, sagt Arjona. Körperliche Berührung präge Kommunikation und gebe Hoffnung auf ein besseres Miteinander. „In der Performance muss man bereit sein, bewegt zu werden“, erläutert die Künstlerin ihre Philosophie und schließt sich dabei selbst mit ein: „Ich mochte die Situation mit Ihnen sehr.“ Wann antwortet die Kunst schon einmal so freundlich auf ihr Publikum? Hier weiterlesen: Maria José Arjona - die Performance „Flugplan“.