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Studieren in Osnabrück Wie unterstützt die Uni Osnabrück studierende Mütter und Väter?

Von Corinna Berghahn | 01.10.2015, 10:30 Uhr

Studiert es sich als Mutter oder Vater gut in Osnabrück? Welche Hilfe erhalten Eltern ¬ und wo sind die Knackpunkte? Ein Interview mit Christine Kammler, der Leiterin des Servicebüros für studierende Eltern „UniBambinOS“.

 Frau Kammler, ist Osnabrück ist ein guter Ort, um zu studieren und gleichzeitig ein Kind zu haben? 

Wir haben eine gute Infrastruktur und Osnabrück ist eine familienfreundliche Stadt, das zeigen ja auch Initiativen wie „Zum Stillen willkommen“. Ich kriege immer wieder die Rückmeldung, dass viele sich auch für Osnabrück entschieden haben, weil es hier das Servicebüro für studierende Eltern gibt, wo wir versuchen, über die Beratung erst einmal eine Orientierung zu geben. Und wir verstehen uns als eine Service- und Vermittlungsstelle innerhalb der Universität, aber auch innerhalb der Stadt und mit der Hochschule und dem Studentenwerk mit ihren verschiedenen Anlaufstellen. ( Weiterlesen: Studieren mit Kind in Osnabrück: Was gibt es für Hilfen? >> )

 Sagen wir einmal, ich bin Studentin und Mutter und komme zu Ihnen: Was wären meine typischen Anliegen? 

Da dreht es sich zuerst immer um Kinderbetreuung, weil gerade mit der Betreuung die Möglichkeit steht und fällt, an Seminaren und Veranstaltungen teilzunehmen. Ein weiteres großes Thema ist auch die Studienorganisation. Die typischen Fragen sind: Was mache ich, wenn eine Veranstaltung von 16 bis 18 Uhr stattfindet? Oder wenn ich nicht alle Veranstaltungen belegen kann, die ich belegen sollte? Und es ist ja leider so, dass das Studium sich unter Umständen ein bisschen streckt. Da stellt sich dann die Frage: Wie sage ich es den Lehrenden? ( Mehr Themen rund um den Campus Osnabrück finden Sie im Themenportal >> )

 Und zu was raten Sie dann? 

Wir zeigen Lösungswege auf. Wenn beispielsweise eine Veranstaltung nicht regelmäßig besucht werden kann, könnte man eventuell Ersatzleistungen erbringen. Das geht letztendlich nur nach Absprache mit den Lehrenden. Das funktioniert meinem Eindruck nach sehr gut. Oder wir helfen einer Studentin, die gerade Mutter geworden ist, den im Studium vorgesehenen Auslandsaufenthalt zu verschieben. Nichtsdestotrotz würden wir es begrüßen, wenn die Studierenden auch ins Ausland gehen, weil es eine gute Unterstützungsstruktur gibt.

 Das Baby könnte dann mitkommen?  

Ja. Das Kind müsste nur eben dort untergebracht werden. Aber wir merken, dass es noch eine verhältnismäßige Zurückhaltung gibt, mit Kind ins Ausland zu gehen.

 Vermitteln Sie auch psychologische Hilfe? 

Wenn ich merke, dass es über meine Beratungsinhalte hinausgeht, dass jemand beispielsweise Prüfungsangst hat, vermittele ich auf jeden Fall an die Psychosoziale Beratungsstelle weiter. Ein tolles Projekt der Universität ist ja auch die Babysprechstunde, die jungen Eltern von beispielsweise Schreikindern hilft und berät.

 Die Universität Osnabrück gilt als „familiengerechte Hochschule“. Was bedeutet das? 

Das „audit familiengerechte hochschule“ ist ein Zertifikat, das die „berufundfamilieGmbH“ für jeweils drei Jahre vergibt. Die Universität Osnabrück ist 2008 das erste Mal zertifiziert worden, weil sie sich zum Ziel gesetzt hat, ihre Beschäftigten und Studierenden bei der Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie zu unterstützen. Damals wurde ein Maßnahmenkatalog verabschiedet, der die Familienfreundlichkeit an der Universität steigert. Mittlerweile ist die Universität Osnabrück zum dritten Mal auditiert.

 Wie sehen diese „Maßnahmen“ aus? 

Beispielsweise die Einrichtung des Servicebüros für studierende Eltern ist eine Maßnahme aus der 1. Auditierung 2008. Zudem gab es 2008 die Maßnahme, nach finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten für alleinerziehende Studierende zu suchen. Dabei wurde 2009 das erfolgreiche Programm „Madame Courage Osnabrück“ ins Leben gerufen, das in diesem Jahr fünf Jahre alt wird. Aber auch die universitätsweite Anbringung von Wickeltischen gehört dazu. Und dass man Signale setzt, dass Kinder willkommen sind an der Universität.

 Einige Kitas bieten die Möglichkeit, die Kinder bis spätestens 17 Uhr da zu lassen. Wenn mein Seminar jetzt aber tatsächlich bis 18 Uhr geht, wie helfen Sie dann? 

Und die Randzeitenbetreuung zu gewährleisten haben wir zum einen die „Betreuungsbörse“ als Projekt hier im UniBambinOS. Das ist eine Veranstaltung im StudIP, wo sich Studierende melden können, die einen Babysitter-Job suchen – oder eine Betreuung. Das Angebot richtet sich ebenso an Beschäftigte der Universität, die eine Betreuung suchen. Wenn wirklich ein Notfall eintritt, gibt es die Notfallbetreuung, die sich an Studierende und Beschäftigte von der Universität gleichermaßen richtet. Dabei handelt es sich um Kooperationsprojekt der Universität Osnabrück im Arbeitskreis Unternehmen im Familienbündnis. Mittlerweile nehmen mehr als 25 Unternehmen und Institutionen an dem Projekt teil. Der Radius, in dem Tagesmütter im „Notfall“ vermittelt werden, beträgt mittlerweile 30 Kilometer rund um Osnabrück.

 Für die man sich anmelden muss… 

Genau. Und die gilt auch nur für den Notfall, wenn beispielsweise die Regelbetreuung ausfällt. Für Studierende kann das in Prüfungszeiten wichtig sein. Wenn sie eine Prüfung nicht versäumen wollen, können sie sich kurzfristig eine Tagesmutter über die Notfallbetreuung vermitteln lassen.

 Und wie läuft die Kooperation mit dem Studentenwerk? Das bietet ja extra Wohnungen für Mütter und Väter mit Kind an und die Campus-Kita Plätze für Kinder von Studierenden. 

Die Campus-Kita ist eine Einrichtung des Studentenwerks, nicht der Universität. Die Universitäts- und die Hochschulzugehörigkeit ist zwar ein Kriterium bei der Aufnahme der Kinder, aber wir haben keine Belegplätze. Das gleiche gilt für die Wohnungen, die das Studentenwerk vermittelt. Aber wir haben eine gute Kooperation.

 Gibt es weitere Projekte? 

Auch das Eltern-Kind Café ist ein Projekt von Universität, Hochschule und Studentenwerk. Es findet jeden zweiten Freitagnachmittag im Monat in der Katholischen Familienbildungsstätte (FABI) in der Großen Rosenstraße statt und dient der Vernetzung von Studierenden untereinander, mit dem Ziel, sich gegenseitig im Alltag unterstützen zu können.

 Mit dem Gleichstellungsbüro der Hochschule arbeiten Sie ebenfalls eng zusammen? 

Ja. Ein weiteres Projekt ist das eben schon erwähnte „Madame Courage Osnabrück“. Das ist in Zusammenarbeit der Gleichstellungsbüros von Universität und Hochschule und dem Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) als Träger des Programms entstanden und unterstützt Alleinerziehende in der Studienabschlussphase.

 Man muss aber nicht katholisch sein, um die Leistungen zu nutzen, oder? 

Nein, das ist konfessionslos und richtet sich auch nicht nur an Frauen. Bis jetzt haben wir jedoch nur Anträge von Frauen erhalten. Vielleicht, weil die Kinder in der Regel kleiner sind und dann wiederum eher bei der Mutter als beim Vater leben.

 Kommen mehr Studentinnen oder Studenten zu Ihnen? 

Es kommen mehr Frauen, aber auch immer mehr Männer. Was zudem häufig passiert, ist, dass sie als Paar kommen.

 Ist das Studium Ihrer Meinung nach eine gute Zeit, um ein Kind zu bekommen? 

Von meinem Eindruck her ist das Studium seit der Bologna-Reform straffer geworden. Trotzdem ist es immer noch die Zeit, in der man im Vergleich zum Arbeitsverhältnis am flexibelsten ist. Auf der anderen Seite ist man am unflexibelsten, was das Studierendenleben anbelangt, sprich: Abends einmal ausgehen oder sich nachmittags treffen. Diese Flexibilität ist durch die Vereinbarkeit mit Familie unter Umständen nicht mehr gegeben. Aber: Studieren mit Kind oder Familie ist immer sehr individuell und daher ist es eine sehr persönliche Entscheidung, bei der wir gerne unsere Hilfe anbieten.