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Strom und Wärme Osnabrücker Piesberg: Aus Deponiegas wird Energie

Von Sandra Dorn | 11.04.2017, 18:33 Uhr

Durch ein neues Blockheizkraftwerk (BHKW) wird der gesamte Recyclinghof am Piesberg jetzt mit Strom und Wärme versorgt. Betrieben wird das BHKW mit dem Deponiegas aus der stillgelegten Müllhalde.

Im Deponiekörper gärt es. Irgendwo müssen die entstehenden Gase hin – warum also nicht gleich Nutzen daraus schlagen? Das war der Ansatz, nach dem schon vor fast 30 Jahren das erste Blockheizkraftwerk am Piesberg in Betrieb genommen wurde. Die alte Anlage, die das Deponiegas ausschließlich zur Stromerzeugung nutzte, wurde jetzt durch ein nagelneues BHKW ersetzt, das auch die Wärme nutzbar macht. Sein Herzstück ist ein kraftvoller Motor – und er macht einen Höllenlärm. „Der kann was!“, ruft Christoph Hüls, der neue Vorstandsvorsitzende der Stadtwerke Osnabrück, über das Dröhnen der Anlage hinweg, das bei geschlossener Tür von außen jedoch kaum zu hören ist. 660000 Euro haben die Stadtwerke in das BHKW gesteckt, das wiederum vom Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) betrieben wird. (Weiterlesen: Letzter Bauabschnitt der Deponie-Stilllegung am Piesberg) 

Strom und Wärme für den Eigenbedarf

Und was kann er nun, der neue Motor? 700000 Kilowattstunden Strom erzeugt die Anlage jährlich und außerdem rund 100000 Kilowattstunden Wärme. Beides reicht, um den Eigenbedarf des Abfallwirtschaftszentrums zu decken. Bislang wurden die Betriebsgebäude am Piesberg mittels eines Erdgaskessels beheizt – die Wärme, die bei der Stromerzeugung als Nebenprodukt entstand, verpuffte. Dadurch, dass sie nun vor Ort genutzt wird, werden gut 18000 Kilogramm CO2 pro Jahr eingespart. Der OSB zahle nun eine konstante Pachtgebühr an die Stadtwerke und spare unterm Strich jährlich gut 50000 Euro, erläuterte Detlev Schnier, stellvertretender OSB-Betriebsleiter.

Deponiegasfackel bleibt aus

„Besser geht‘s eigentlich nicht“, schwärmte Hüls. Das Deponiegas sei außerdem um den Faktor 20 schädlicher für das Klima als Kohlenstoffdioxid, betonte der neue Stadtwerkechef, entsprechend wichtig sei die richtige Nutzung. „Wir freuen uns über jeden Tag, wo die Deponiegasfackel nicht brennt“, sagte Schnier. Dass überschüssiges Gas verbrannt werden muss, sodass Flammen aus dem großen Schornstein auf dem Betriebsgelände schlagen, komme tatsächlich sehr selten vor. Das Methan wird abgesaugt, in zwei Behältern neben dem BHKW gereinigt und verdichtet, bevor es zur Energieerzeugung genutzt werden kann.

Zwei weitere Blockheizkraftwerke

Und dies geschieht nicht nur im Blockheizkraftwerk auf dem Piesberg: Ein weiteres BHKW steht im Wohngebiet „Auf der Hegge“ in Pye und versorgt seit den 1990er-Jahren etwa 150 Gebäude mit Wärme, erläuterte Karl-Heinz Meyer, Leiter Energiedienstleistungen der Stadtwerke. Es wurde jetzt ebenfalls erneuert. Ein zweites BHKW befindet sich seit 2005 auf dem Gelände der ehemaligen Winkelhausenkaserne und beliefert unter anderem die Firma Kaffee Partner sowie sämtliche ansässigen Landesgebäude und sonstigen Unternehmen mit Wärme. Auch dieses BHKW soll mittelfristig erneuert werden.

Und wenn das Deponiegas zur Neige geht?

Noch ist das Deponiegas sehr ergiebig, irgendwann wird es jedoch zur Neige gehen, schließlich kommt seit Jahren kein neuer Müll hinzu, der verrotten könnte. Der stellvertretende Betriebsleiter Schnier rechnet zwar damit, dass das Deponiegas dem Piesberg noch einige Jahrzehnt lang erhalten bleibt, doch beide neuen Blockheizkraftwerke – das auf dem Piesberg und das in der Pyer Siedlung – sind bereits so konzipiert, dass sie auch parallel mit Erdgas betrieben werden können.

Erneuerung des Recyclinghofs

Nicht nur das nun ausgetauschte BHKW auf dem Gelände des Abfallwirtschaftszentrums war in die Jahre gekommen. In den kommenden zwei bis drei Jahren wird der gesamte Recyclinghof für 3,2 Millionen Euro erneuert. „Wir starten jetzt mit der Sanierung des Betriebsgebäudes“, erläuterte Schnier.