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Streit in Sutthausen Osnabrück bietet Grundstücke an – Nachbarn wollen Verkauf stoppen

Von Rainer Lahmann-Lammert | 10.02.2017, 19:34 Uhr

In Sutthausen bietet die Stadt zwei Baugrundstücke zum Höchstgebot an. Nach Auffassung der Anwohner darf die Fläche aber niemals bebaut werden. Sie berufen sich auf alte Rechte – und auf die Baronin von Romberg.

Bauland ist knapp in Osnabrück, und die Stadt kann mit einer großen Nachfrage für die 394 und 424 qm großen Grundstücke an der Hochstraße rechnen. An diesem Wochenende läuft die Gebotsfrist ab, und wenn die Bieter nur den Bodenrichtpreis zahlen, kommen gute 170000 Euro in die Stadtkasse. Doch es gibt einige Zweifel, ob auf dem Areal überhaupt gebaut werden darf.

Vornehmer Abstand

„Ich will nicht im Hinterhaus wohnen!“, sagt der 86-jährige Reinhold Dunsch, und seine Nachbarin Astrid Kuhnt sieht das genauso. Fast überall im Wohngebiet zwischen Gröbelweg und Hermann-Ehlers-Straße sind es nur ein paar Schritte von der Haustür bis zum Bordstein, aber die zwei Häuser an der Hochstraße halten vornehm Abstand. Mit einer eigenen Zufahrt, die eine Rasenfläche in zwei Teile schneidet.

Was auf den ersten Blick nach Vorgarten aussieht, ist eine zweigeteilte öffentliche Grünfläche. Auf der hat die Stadt in den 90er Jahren zehn Apfelbäume gepflanzt. Und die sollen jetzt wohl verschwinden, sonst würde es zu eng für die jungen Familien, die dort bauen wollen.

Auf der Grünfläche sollte mal ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen aus dem Ersten Weltkrieg errichtet werden, jedenfalls hat Reinhold Dunsch das als Kind so gehört. Sicher ist hingegen, dass es sich bei der Doppelparzelle um eine Schenkung der Freifrau Maria Magdalena von Romberg handelt.

Gemeindeväter in Versuchung

1935 und 1937 hat sie der Gemeinde Holzhausen, zu der Sutthausen damals gehörte, kostenlos eine Reihe von Grundstücken übereignet. Eines davon war für die Schule bestimmt, die heute noch darauf steht, und eines für das öffentliche Grün. Dunsch und seine Nachbarn pochen darauf, dass der Wille der Stifterin respektiert wird.

In die Versuchung, dagegen zu verstoßen, kamen die Gemeindeväter aus Holzhausen bereits 1969. Sie ließen ihr Vorhaben fallen, weil die Anwohner intervenierten. Dabei hatten sie schon einen Bebauungsplan aufgestellt, der die rechtliche Grundlage liefern sollte, die beiden Parzellen mit hübschen Einfamilienhäusern zu bestücken.

1990 – da gehörte Sutthausen längst zu Osnabrück – versuchte es auch die Stadt. Wieder meldete sich die Nachbarschaft zu Wort, wieder verschwand das Projekt in der Schublade. Angesichts dieser Vorgeschichte sei es doch „unverschämt“, dass sich die Stadt erneut über den Willen der Stifterin hinwegsetzen wolle, findet Astrid Kuhnt.

Die Stadt meint es ernst

Mit der Unterstützung eines Rechtsanwalts wollen die Anwohner verhindern, dass aus der Grünfläche eine Wohnfläche wird. Doch dieses Mal meint es die Stadt ernst. Bis 2020 sollen in Osnabrück 3000 neue Wohnungen entstehen. Zwei davon an der Hochstraße – das käme den Planern ganz gelegen.

Die Stadt habe die Rechtslage überprüft, sagt Presseamtssprecher Sven Jürgensen. Maßgeblich sei der Bebauungsplan der Gemeinde Holzhausen von 1965. Schon 1990 hätten keine juristischen Gründe gegen den Bau von zwei Häusern gesprochen, vermerkt der Stadtsprecher, gleichwohl habe sich der Rat damals dagegen entschieden. Bevor das Grundstücksgeschäft jetzt besiegelt werde, wolle die Stadt alle Einwände noch einmal abwägen.

Reinhold Dunsch ist der Ansicht, dass es für ihn eine unzumutbare Härte wäre, wenn die Stadt aus seinem Domizil ein „Hinterhaus“ macht. 1935, als seine Eltern bauen wollten, seien die beiden Grundstücke hinter der Grünfläche die besten in Sutthausen gewesen – und die teuersten. Zwei Reichsmark pro Quadratmeter habe sein Vater damals bezahlt. Doppelt soviel wie die anderen Siedler.