Ein Artikel der Redaktion

Straßenbahn rollt wieder Stadtbahn-Initiative: Allenstein ist Vorbild für Osnabrück

Von PM. | 15.02.2017, 21:00 Uhr

Die polnische Stadt Allenstein (Olsztyn), die eine Freundschaft zum Landkreis Osnabrück pflegt, hat mit EU-Geldern eine Straßenbahn eingeführt. Ein Vorbild für Osnabrück, meint die Stadtbahn-Initiative.

„Engagierte Verkehrsplaner wie in Olsztyn würden wir uns auch für Osnabrück wünschen“, sagt Rolf Brinkmann von der Osnabrücker Stadtbahn-Initiative. Mit der Inbetriebnahme einer Straßenbahn in der polnischen Stadt sei unter Beweis gestellt worden, dass solch ein Projekt in wenigen Jahren zu realisieren sei, wenn der politische Wille und Fachleute an der Spitze der Verkehrsbetriebe vorhanden seien. Die Stadtbahn-Initiative sieht sich durch das Projekt in Allenstein in der Überzeugung gestärkt, dass dieses System auch für Osnabrück ernsthaft geprüft werden sollte. Vieles hänge von der „Fähigkeit und den Willen“ der verantwortlichen Personen ab, notwendige Veränderungen anzupacken, so sie Stadtbahn-Initiative in einer Mitteilung.

Schön, leise und günstig

Beim jüngsten Treffen der Initiative berichtete der in Allenstein geborene Siegfried Keuchel über den Bau der Bahn dort. Ähnlich wie in Osnabrück sei Straßenbahn 1964 aufgrund des Rückgangs der Fahrgastzahlen außer Betrieb genommen worden. Nachdem die Stadt auf etwa 180000 Einwohner gewachsen sei, seien nach ersten Ideen im Jahr 2004, einem Konzept 2006, dem Auftrag 2010 und dem Baubeginn 2015 drei Linien im Dezember 2015 aufs Gleis gesetzt worden.

„Entsprechend der örtlichen Wünsche hat der polnische Hersteller Solaris unheimlich schöne Fahrzeuge auf die Gleise gebracht“, berichtete Keuchel. Die einspurig in der Straßenmitte fahrenden Wagen seien sehr leise, bequem und würden bei niedrigen Fahrpreisen in dichten Takten verkehren. Mit 100 Millionen Euro habe die EU 85 Prozent der Investitionskosten getragen.

„Die Politik war sich einig“, stellte Thomas Polewsky fest. Das sei die Grundlage des Erfolgs in Allenstein gewesen. Auch für Osnabrück komme es darauf an, statt „unsinniger Geldausgaben wie an der Römereschstraße oder der millionenteuren Flughafen-Subvention“ endlich zukunftsweisende Entscheidungen treffen. Ohne Stadtbahn werde die angestrebte Verfünffachung des jetzigen ÖPNV-Anteils von derzeit acht Prozent bis 2040 nicht zu erreichen sein.