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Stimmen für Nelio „Der Chronist der Winde“: Oskar-Theater zeigt Stück nach Roman von Henning Mankell

Von Anne Reinert | 12.09.2011, 18:06 Uhr

„Der Chronist der Winde“ erzählt von der bitteren Realität afrikanischer Straßenkinder. Die Bühnenversion des Oskar-Theaters hatte bei den Spieltrieben in der Gertrudenkirche Premiere und wird nun im Emma-Theater übernommen.

So verströmt das Emma-Theater Zirkusatmosphäre. Vor der absichtlich improvisiert wirkenden Bühne sitzt ein Sänger (Axel Brauch) mit Leierkasten. Spots geben den Vorhängen am Bühnenrand Zeltcharakter. Und schon im Foyer ist das Publikum von zwei Gauklern (Selale Gonca Cerit und Alexandre Pierre) begrüßt worden. Willkommen also beim fahrenden Theatervolk!

Als solches präsentiert sich das Kinder- und Jugendtheater in „Der Chronist der Winde“. Die zusammengewürfelten Kostüme (Bühne und Kostüm: David Gonter) erinnern trotz moderner Elemente an die Wanderbühnen vergangener Zeiten. Mit den auf einer Leine hängenden Masken, die im Laufe des Spiels zum Einsatz kommen, lehnt sich das Stück deutlich an die Commedia dell’Arte an.

Regisseur Alexander Frank verbindet Stilprinzipien traditioneller Theaterformen mit modernem Schauspiel. Improvisation und festes Figurenpersonal dieser Bühnen fehlen freilich. Schließlich gibt es mit Henning Mankells Roman eine literarische Vorlage, die die Gaukler José (Brauch), Antonio (Alexandre Pierre) und Maria (Gonca Cerit) erzählen. Anders als im Buch sind es diese drei und nicht der Bäcker José, die den angeschossenen Nelio im Theater finden und es sich zur Aufgabe machen, seine Geschichte zu erzählen. Genau genommen gibt es hier also „Chronisten der Winde“.

Die Schauspieler können so zwischen den Rollen und zwischen Erzähltheater und szenischem Spiel hin- und herwechseln. So erfährt das Publikum von Nelios Geschichte: von dem Überfall auf sein Dorf, seinem Leben auf der Straße und seiner Bande, zu deren Anführer er wird. Groß ist das Gelächter, wenn Selale Gonca Cerit und Axel Brauch den Albinozwerg Yabu Bata mit Puppentheaterelementen darstellen. Gleiches gilt, wenn Alexandre Pierre seine Kollegin gestisch synchronisiert.

Dass Alexander Frank die Geschichte stilistisch verfremdet, mag zwar auf den ersten Blick verwirren, ist aber gut. Denn so wird die Geschichte in einen allgemeineren Zusammenhang gestellt. Es wäre sogar wünschenswert gewesen, dass diese Stilbrüche viel konsequenter eingesetzt worden wären. Das wäre letztlich auch unterhaltsamer, was gerade bei einem Publikum ab zehn Jahren wichtig sein dürfte.

Weitere Aufführungen heute um 9.30 und 11.30 Uhr, morgen um 9.30 und 11.30 Uhr und Freitag um 9.30 und 11.30 Uhr. Kartentelefon: 0541/ 7600076.