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Stephanie Funke gegen Gewalt Neue Gleichstellungsbeauftragte in Hasbergen

Von Jean-Charles Fays | 25.11.2016, 13:40 Uhr

Stephanie Funke hisst zum internationalen Gedenktag gegen Gewalt an Frauen am 25. November die Flagge am Rathaus. Es ist ihre erste offizielle Aktion als Gleichstellungsbeauftragte in Es ist ein Auftakt nach Maß, denn das Thema häusliche Gewalt gegen Frauen wird auch künftig einer der Schwerpunkte ihrer Arbeit sein.

Stolz betont die 48-Jährige: „Es passt, dass die terre des femmes-Fahnenaktion gegen Gewalt an Frauen auch meine erste offizielle Aktion als Gleichstellungsbeauftragte ist.“ Früher arbeitete sie in einer Frauenberatungsstelle in Espelkamp im Kreis Minden-Lübbecke. Auch dort hatte sie sich schwerpunktmäßig mit dem Thema häusliche Gewalt gegen Frauen befasst.

Bislang sind eigentlich nur Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern dazu verpflichtet, eine Gleichstellungsbeauftragte hauptamtlich einzustellen. Doch eine überwiegend sozialdemokratische Ratsmehrheit hatte sich dafür ausgesprochen, dass auch die Nachfolgerin von Marita Tolksdorf-Krüwel , die seit April Hasberger Flüchtlingssozialarbeiterin ist, ab November weiterhin hauptberuflich als Gleichstellungsbeauftragte in Hasbergen arbeitet: „Es ist ein Zeichen der Wertschätzung meiner Arbeit, dass die Gemeinde mich hauptamtlich mit einer halben Stelle einstellt. Es zeigt, welchen Stellenwert eine kontinuierliche und professionelle Gleichstellungsarbeit in Hasbergen hat“, kommentiert Funke die Entscheidung.

„Leider warten viele solange, bis es eskaliert“

Mit ihrer Arbeit will sie Frauen „dazu ermutigen, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Leider warten viele solange, bis es eskaliert. Die wenigsten wenden sich schon bei der ersten Gewalttat an die Polizei oder an eine Beratungsstelle.“ Sie nimmt sich vor, schon im Vorfeld zu beraten, welche Schutzmaßnahmen es gibt, wann Frauen sich an die Polizei wenden sollten und wie vielleicht ein Weg aus dieser Gewaltspirale aussehen kann.

Ihr zweiter großer Schwerpunkt ist das Thema Trennung und Scheidung: Sie bietet Beratung und Informationen an, wenn jemand überlegt, ob er sich trennen möchte und erklärt im Falle der Trennung oder Scheidung, wie es finanziell weitergeht, wie Unterhalt geregelt ist und wie eine gute Umgangsregelung für das Kind aussehen kann. Zudem will sie Frauen und Männern helfen, wie sie mit ihren Trennungsgefühlen und Sorgen umgehen können.

„Ich will Selbstwertgefühl stärken“

Der große Antrieb, der sie bewogen hat, diesen Beruf auszuüben, „ist Menschen zu unterstützen und das Selbstwertgefühl zu stärken“, erklärt sie. Im Bekanntenkreis habe sie etwa bei Alleinerziehenden in Wallenhorst erlebt, „wie Frauen gerade von streng konservativen Familien kritisch beäugt wurden und sich direkt dafür rechtfertigen mussten, warum es zur Trennung kam. Der geschiedene Mann hingegen wurde oft in Ruhe gelassen.“ So hat sie den Eindruck gewonnen, dass alleinerziehende Mütter in unserer Gesellschaft einen schweren Stand haben und weniger Anerkennung bekommen als alleinerziehende Väter. Daher betont sie mit kräftiger Stimme in ihrem Gleichstellungsbüro im dritten Stock des Rathauses: „In meiner Arbeit hier möchte ich Alleinerziehenden bei Bedarf gerne bei Seite stehen.“

Dritter Schwerpunkt: Beruflicher Wiedereinstieg für Mütter

Das dritte große Feld ihrer Arbeit ist der berufliche Wiedereinstieg für Mütter. „Das fängt bei Fragen zum schlechten Gewissen an: ,Wie werde ich meinen Kindern noch gerecht?‘ bis hin zum Bewerbungstraining oder zur Weitervermittlung zum Beispiel an die Koordinierungsstelle Frau und Betrieb Osnabrück“, erläutert sie.

Offen für neue Ideen und Projekte

Darüber hinaus interessiert sich die motivierte Frau, die neben ihrer Arbeit für die Gemeinde freiberuflich als Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet, dafür, was vor Ort gebraucht wird: „Ich möchte sensibel machen für Gleichwertigkeit und Gleichstellung, bewährte Traditionen weiterführen und die Gemeinde kennenlernen. Spannend fände ich auch, zusammen mit anderen aus Hasbergen neue Ideen und Projekte zu entwickeln.“

Für Stephanie Funke schließt sich ein Kreis

In gewisser Weise schließt sich für die zweifache Mutter mit der Rückkehr nach Hasbergen auch ein Kreis. Sie erinnert sich an die Zeit im Hasberger Mütterzentrum vor 15 Jahren: „Meinen ersten beruflichen Wiedereinstieg nach meiner Elternzeit hatte ich in Hasbergen mit der Selbsthilfegruppe für Mütter mit einer Depression nach der Geburt ihres Kindes.“