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Steckt Brandalism dahinter? VW-Werbung in Osnabrück: „Alles gelogen“

Von Jörg Sanders | 01.12.2015, 16:30 Uhr

In Osnabrück wirbt Volkswagen derzeit für seinen neuen Familienwagen Touran. Unbekannte überklebten das Plakat teilweise. „Alles gelogen“, heißt es auf dem Plakat nun etwa.

Statt der üblichen Informationen zu Emissionswerten heißt es nun auf einem VW-Plakat an der Schillerstraße: „Mit der neuesten EU6-Technologie – noch effektiver manipuliert“, „Alles gelogen. Auf Kosten des Klimas.“ sowie „Emissionen kümmern uns nur, wenn Profite bedroht sind.“ Der Hashtag (frei übersetzt: Stichwort) #COP21* stellt Bezug zur derzeit in Paris laufenden UN-Klimakonferenz her. Volkswagen steht derzeit wegen manipulierter Abgaswerte unter Druck.

Künstlerkollektiv verantwortlich?

Hinter der Aktion steckt offenbar das internationale Guerilla-Künstlerkollektiv Brandalism. Darauf verweist zumindest ein entsprechender Hashtag auf dem Plakat hin.

Erlaubt sind solche Aktionen nicht. „Das gilt dann wohl schon als Sachbeschädigung“, sagt Georg Linke, Pressesprecher der Osnabrücker Polizei. Bei einem Anfangsverdacht würde die Polizei ermitteln.

600 Plakate in Paris

In Paris kaperten die Anti-Werbung-Aktivisten von Brandalism eigenen Angaben zufolge Hunderte Werbeflächen und hängten dort 600 gefälschte Plakate pünktlich zu Beginn des Weltklimagipfels auf, die große Konzerne wie VW und Fluggesellschaften als Klimasünder und Lügner anprangert. Auf einem vermeintlichen VW-Plakat steht etwa: „Sorry, dass wir erwischt wurden.“ Und weiter: „Nun, da wir erwischt wurden, wollen wir euch Glauben machen, dass wir uns um die Umwelt kümmern.“

Aber auch Politiker wie US-Präsident Barack Obama und Großbritanniens Premierminister David Cameron haben es auf die Plakate geschafft. Mehr als 80 Künstler aus 19 Ländern gestalteten die Plakate. Darunter sollen Künstler wie Neta Harari und Jimmy Cauty sein, berichtet das Kollektiv online. 

Brandalism wurde 2012 in London gegründet. Ihrer Internetseite zufolge gehören inzwischen Künstler aus ganz Europa dem Kollektiv an. Das Bündnis bezeichnet sich selbst als „inoffizieller Partner des Weltklimagipfels 2015“. Es versteht sich eigenen Angaben zufolge als Revolte, die primär gegen die Macht der Großkonzerne kämpft.

 * 21st Conference of the Parties; frei übersetzt: 21. Vertragsstaatenkonferenz