Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Stadtwerke Osnabrück verklagt Gestürzt, als der Bus überholte: Schmerzensgeld für Radlerin

Von Stefan Buchholz, Stefan Buchholz | 18.06.2018, 20:12 Uhr

500 Euro Schmerzensgeld müssen die Stadtwerke einer 16-jährigen Radlerin zahlen, weil sie sich von einem Bus bedrängt gefühlt hatte und zu Fall gekommen war. Die Stadtwerke hatten die Glaubwürdigkeit der Schülerin angezweifelt, doch die Richterin übernahm vorbehaltlos ihre Sicht.

Die junge Radfahrerin gab an, dass sie gestürzt sei, als der Bus sie am Kirchenkamp überholte. Es sei zwar nicht zu einer Kollision mit dem Bus gekommen, doch der sei sehr dicht neben ihr gefahren und habe sie abgedrängt. Mit der Folge, dass sie am Bordstein stürzte. Durch den Unfall verletzte sich die Jugendliche. Ein stumpfes Bauchtrauma – ausgelöst durch das Fallen auf den Rennradlenker – und zwei Tage Beobachtung im Krankenhaus waren die Folgen. Der Busfahrer hatte von dem Vorfall offenkundig nichts mitbekommen, denn er fuhr weiter.

Schülerin als Zeugin

Über ihre Eltern verklagte die 16-Jährige die Stadtwerke. Der Verkehrsbetrieb wies die Vorwürfe entschieden zurück. „Für uns ist nicht klar, ob es sich um einen Fahrfehler gehandelt hat und um welchen Bus es geht“, erklärte die Anwältin der Stadtwerke vor dem Amtsgericht. Eine Zahlung von 200 Euro an die Jugendliche – dies hatte die Richterin beim Gütetermin vorgeschlagen – lehnte der Verkehrsbetrieb ab.

Als Zeugin kam in der Verhandlung auch die verletzte Schülerin zu Wort. Sie konnte sich zwar an die Aufschrift „Achtung, Heck schwenkt aus!“ erinnern, war sich aber nicht ganz sicher, ob es sich um einen Gelenkbus oder (wie später festgestellt wurde) um einen Bus mit Anhänger gehandelt hatte. Die beklagten Stadtwerke nahmen das zum Anlass, die Glaubwürdigkeit der 16-Jährigen infrage zu stellen. Nach ausführlicher Befragung entschied die Richterin jedoch, dass die Aufrichtigkeit der Schülerin über jeden Zweifel erhaben sei.

Da keiner der anderen Zeugen den Unfall direkt gesehen hatte, galt es für das Gericht zu klären, welcher Bus für den Hergang in Frage kam. Denn die Linie via Kirchenkamp wird neben den Stadtwerken auch von einem anderen Busbetreiber bedient.

Über den protokollierten Zeitpunkt des Notrufes, der um 14.03 Uhr einging, konnte das Gericht rückschließen, dass es sich um einen Bus der Stadtwerke gehandelt haben muss. Die Zeugin, die den Notruf abgesetzt hatte, hatte Unfallort nur wenige Momente nach dem Unfall erreicht. Damit kam für das Gericht der vorherige Bus um 13.54 Uhr nicht als Unfallauslöser in Betracht.

Erhöhte Gerfährdung

Entscheidend für das Gericht war auch nicht der zweite Einwand der Stadtwerke, die auf den Nachweis eines Fahrfehlers des Busfahrers pochten. Im Urteil zeigte sich die Richterin überzeugt, dass sich der Sturz der Klägerin „durch den Betrieb des Busses“ ereignet hat.

„Ob dieses Tatbestandsmerkmal gegeben ist, hängt nicht davon ab, ob sich der Fahrer des Fahrzeugs verkehrswidrig verhalten hat“, heißt es weiter. Allein die erhöhte Gefährdung, die der Betrieb eines Kraftfahrzeuges für andere mit sich bringt, begründe die grundsätzliche Haftung, heißt es im Urteil wörtlich.