3,3 Millionen Euro Überschuss Stadtwerke Osnabrück "mit blauem Auge davongekommen"

Von Rainer Lahmann-Lammert | 06.12.2021, 23:57 Uhr

Trotz der Corona-Krise haben die Stadtwerke einen Jahresüberschuss von 3,3 Millionen Euro erzielt und mit dem Containerterminal sogar in eine Zukunftsaufgabe investiert. Darum ging es am Mittwoch in der Hauptversammlung.

Bei den Bädern und im Busbetrieb schlug die Krise voll durch, das Geschäft mit Strom, Gas und Wasser blieb aber auch im Lockdown einigermaßen stabil. Mit der Wohnungsbaugesellschaft WiO und der Recyclinganlage zur Rohstoffrückgewinnung am Piesberg haben die Stadtwerke Osnabrück neue Aufgaben übernommen. So blickten die Vorstände Christoph Hüls und Stephan Rolfes in ihrem Jahresbericht für die Hauptversammlung im Theater auf ein Geschäftsjahr voller Herausforderungen zurück, und ihre Botschaft lautete, dass sich das kommunale Unternehmen auch in schwierigen Zeiten als "Verlässlichkeits-Anker" sieht.

Als verlässlich erweisen sich die Stadtwerke aber auch gegenüber ihrer Konzernmutter, der Stadt, an die sie – wie in den Vorjahren – einen Überschuss von gut drei Millionen Euro abführen. Dass es 2020 allen Widrigkeiten zum Trotz kein Minus gibt, liegt auch an Grundstücksverkäufen am Hafen und im Landwehrviertel und am Rettungsschirm der Bundesregierung für den öffentlichen Nahverkehr. Dabei sei man sehr ambitioniert in das Jahr gestartet und hätte ein mindestens doppelt so hohes Jahresergebnis angepeilt, vermerkte Hüls. Ohne Corona wäre das nach seiner Überzeugung auch gelungen.

Bezahl-App Yaniq gilt als Zugpferd

Den Busbetrieb hat die Pandemie besonders hart getroffen, zumal er nur wenige Wochen vor dem ersten Lockdown mit dem neuen Liniennetz gestartet war. Damit verbunden waren höhere Kosten auch für die Subunternehmer, die vom Rettungsschirm nicht abgedeckt waren, wie Mobilitätsvorstand Rolfes erläuterte. Schmerzlich sei zudem, dass mit dem dritten Lockdown jeder zehnte Abo-Kunde verloren gegangen sei. Das wollen die Stadtwerke wieder wettmachen. Schon bald sollen alle fünf Metrobus-Achsen im E-Betrieb laufen und auch die Bezahl-App Yaniq gilt als Zugpferd, um das Busfahren in Osnabrück attraktiver zu machen. 5000 Kunden haben sie schon installiert.

Dass nachhaltige Mobilität Investitionen erfordert, unterstrich der Vorstand auch am Beispiel des Containerterminals im Hafen. In wenigen Monaten sollen auf dem früheren Gelände der Winkelhausenkaserne Güter von der Straße auf die Schiene umgesetzt werden. Die Stadtwerke haben dafür die Infrastruktur zur Verfügung gestellt.

Als Schrittmacher sieht Vorstand Christoph Hüls sein Unternehmen auch auf dem Strommarkt. Alle Kunden erhalten Regionalstrom aus erneuerbaren Quellen, die nicht weiter als 50 km von Osnabrück entfernt sind. "Keine andere Großstadt macht das", erklärte er, und machte zugleich deutlich, dass Wind und Sonne in noch viel größerem Maßstab genutzt werden müssten, um die Energiewende zu schaffen. Ziel sei es, dass 2021 in Osnabrück neue Fotovoltaikanlagen in der Größenordnung von sieben Megawatt entstehen. An die Kunden appellierte er, nicht nur Solarzellen, sondern auch Speicher zu bauen, damit der Strom auch dann verfügbar ist, wenn die Sonne nicht scheint.

"Motor der Stadtentwicklung"

Obwohl der Klimaschutz ganz oben auf der Agenda steht, belastet ein fossiler Dinosaurier die Bilanz der Stadtwerke erheblich. Die Beteiligung am Kohlekraftwerk Lünen erfordert weiterhin Rückstellungen, die durch den früher angestrebten Kohleausstieg in kürzerer Zeit aufgebracht werden müssen.

Vom Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, gab es viel Lob für den Vorstand und die 1460 Beschäftigten des kommunalen Unternehmens. Für die CDU-Fraktion erklärte Ratsfrau Anette Meyer zu Strohen, die Stadtwerke seien in der Corona-Krise "mit einem blauen Auge davongekommen". Sie begrüßte, dass die Wohnungsbaugesellschaft WiO als Projekt der Stadtwerke "ordentlich Fahrt aufgenommen" habe.

Für die SPD-Fraktion sprach Frank Henning von einem "ziemlichen Horrorabschluss" durch den Corona-Einbruch. Die Stadtwerke hätten sich aber gut behauptet. Dass ein Überschuss von 3,3 Millionen Euro an die Stadtkasse gehe zeige, "dass die Kommunalwirtschaft stark ist". Thomas Klein von den Grünen nannte die Stadtwerke einen "Motor der Stadtentwicklung" und signalisierte im Namen seiner Fraktion volle Unterstützung für den Ausbau des Ökostromangebots. Kritischer ging Robert Seidler (FDP) mit dem Vorstand um. Er wünsche sich mehr Flexibilität, machte er deutlich. Die Stadtwerke sollten nach der Umstellung der Busflotte auf E-Antrieb den nächsten Schritt wagen und den "Sunglider" unterstützen.

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