Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Stadt und Generalplaner im Clinch Weiter Streit um Sanierung der Osnabrück-Halle

Von Sebastian Stricker | 04.07.2014, 10:17 Uhr

Der Streit um die Sanierung der Osnabrück-Halle zwischen der Stadt und dem bisherigen Generalplaner W+P entwickelt sich zur Hängepartie. Auch ein halbes Jahr nach Aufkündigung der Zusammenarbeit durch den Kämmerer besteht offenbar noch keine Einigung darüber, wie der Vertrag aufgehoben und erbrachte Leistung vergütet werden soll.

Projektabwickler W+P (Essen/Stuttgart) wirft der Osnabrücker Beteiligungs- und Grundstücksgesellschaft OBG als Bauherrin inzwischen „Untätigkeit“ vor. In einer Anfang Juli verbreiteten Mitteilung des Generalplaners heißt es, die OBG und ihr Aufsichtsrat versäumten es bis heute, den nach Vertragsabschluss geforderten „massiven Änderungen“ beim Hallenumbau Rechnung zu tragen. Das seinerzeit vereinbarte Honorar decke bei Weitem nicht den tatsächlich entstandenen Aufwand. Offen ist laut W+P eine „hohe sechsstellige Summe“.

Die „unstreitigen Ursachen“ für die Mehrkosten liegen nach Angaben des Projektabwicklers „in der Bausubstanz und in den Wünschen der Bauherrin begründet“. Unter anderem seien Arbeiten auf Verlangen der OBG vorgezogen worden, die zum Teil erst viel später geplant waren. Zudem hätten unvollständige, mitunter falsche Bestands- und Revisionspläne der alten Stadthalle für unliebsame Überraschungen während des Umbaus gesorgt.

Eine „faire Klärung“ der Streitigkeiten würde die OBG nun ebenso verweigern wie ihr Aufsichtsrat um Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, den W+P vertragsgemäß Mitte Mai eingeschaltet habe – ohne erkennbaren Erfolg. Die Stadt treibe damit nicht nur in den Prozess, sondern gefährde „immer mehr auch Arbeitsplätze in dem mittelständischen Unternehmen“, erklärte der Generalplaner.

Kein Geld verschwenden

Osnabrücks Kämmerer Thomas Fillep weist diese Vorwürfe zurück. Als Geschäftsführer der OBG sei er sich „der vertraglichen Verpflichtungen bewusst“ und werde diesen „selbstverständlich auch nachkommen“, erklärte Fillep am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung. Gleiches gelte für Honorarfragen.

Die OBG habe mit W+P „intensiv mit dem Ziel verhandelt, die Sachverhalte zu klären, um zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen“, heißt es weiter in der Stellungnahme des Finanzvorstands. Einzelne Punkte würden jedoch unterschiedlich rechtlich bewertet – etwa die von W+P geltend gemachten erhöhten Honorarforderungen. „Manche konnten wir akzeptieren, einen anderen Teil halten wir nicht für gerechtfertigt“, sagt Fillep. Als städtische Gesellschaft sei die OBG gehalten, mit öffentlichen Geldern sorgfältig und sparsam umzugehen. Für diese konsequente Haltung erntet der Kämmerer auch den Zuspruch führender Ratsleute .

Die seit geraumer Zeit tobende und in der Ausbootung von W+P im Januar gipfelnde Auseinandersetzung zwischen der Stadt Osnabrück und dem Projektabwickler war Anfang Mai öffentlich geworden, nachdem Thomas Fillep mitgeteilt hatte, die seit März 2013 im Umbau befindliche Osnabrück-Halle erst 2016 fertigstellen zu lassen – also ein Jahr später als geplant. Für die Verzögerung machte der Kämmerer damals indirekt den Generalplaner mitverantwortlich. Dieser reagierte empört. Konzernchef Klaus Wolff erkannte darin ein „geschäftsschädigendes Verhalten“ der Stadt und kündigte an, sich dagegen juristisch zur Wehr zu setzen. Seine Firma sei unter Hinweis aller Folgen – auch für das Budget – stets jedem Wunsch gerecht geworden, den der Auftraggeber nachträglich geäußert habe.

W+P ist übrigens kein kleiner Laden: Vor dem Engagement in Osnabrück zeichnete der Projektabwickler unter anderem für den Um- und Neubau bekannter Kulturbauten wie Museum Folkwang (Essen), Konzerthaus Bochum und Philharmonie Essen verantwortlich.