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Stadt antwortet Friedensinitiative Keine Kommission für Nazi-Straßennamen in Osnabrück

Von Sebastian Stricker | 04.07.2014, 15:03 Uhr

Der Umgang mit historisch belasteten Straßennamen soll in Osnabrück künftig vom Arbeitskreis Erinnerungskultur erörtert werden. Eine eigene Expertenkommission, wie sie zuletzt von der Osnabrücker Friedensinitiative (Ofri) vorgeschlagen wurde, wird es nicht geben. Das ist das Ergebnis eines Briefwechsels der Ofri mit der Stadt.

Die Osnabrücker Friedensinitiative hatte Anfang Mai in einem Brief an Oberbürgermeister Wolfgang Griesert daran erinnert, dass es im Stadtgebiet noch immer zwei nach Nationalsozialisten benannte Straßen gibt: die Carl-Diem-Straße im Stadtteil Wüste und die Giesbert-Bergerhoff-Straße in Atter. 100 Jahre nach Beginn des Ersten Weltkriegs und 75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs sei das ein unhaltbarer Zustand.

Deshalb möge sich noch 2014 eine Gruppe von 16 Organisationen finden, die sich unter anderem „mit der Frage der historisch problematischen Straßennamen und vorzunehmender Umbenennungen“ beschäftigen soll, wie es in dem Schreiben der Ofri heißt. Dem Gremium sollten etwa Universität und Landesarchiv, Museen und Geschichtsvereine sowie Rat und Verwaltung angehören – und natürlich die Friedensinitiative selbst.

Gegenvorschlag

Stadträtin Rita Maria Rzyski unterbreitete der Ofri nun zuständigkeitshalber einen Gegenvorschlag. In ihrer Antwort vom 17. Juni regt sie an, das Thema in den bestehenden Arbeitskreis Erinnerungskultur zu tragen. Koordiniert durch das Büro für Friedenskultur, führe dieser seit einem Jahr und auf Beschluss des Stadtrates die Diskussionen zum Thema Erinnerungskultur systematisch fort. Der Arbeitskreis sei „in seiner Zusammensetzung repräsentativ“, so Rzyski, in Teilen deckungsgleich mit der von der Ofri favorisierten Expertenrunde, unterm Strich aber fast doppelt so groß. So würden der Gruppe zusätzlich Vertretungen der NS-Opfer und ihrer Angehörigen oder auch die Kirchen angehören.

Für die Kulturdezernentin liege es nahe, neben dem Thema Nazi-Straßennamen auch den Umgang mit „für die NS-Zeit relevanten Orten“ in diesem Rahmen zu beraten – sei es das Zwangsarbeiterlager „Fernblick“ auf dem Kalkhügel oder das Offiziers-Gefangenenlager „Eversheide“ am Standort der ehemaligen Kaserne an der Landwehrstraße. So könnten die Themen „im Zusammenhang diskutiert und aufeinander abgestimmte Handlungsempfehlungen formuliert“ werden, schreibt Rzyski. Die Osnabrücker Friedensinitiative sei eingeladen, die Diskussion im Arbeitskreis Erinnerungskultur zu bereichern. Das nächste Treffen finde am 8. Oktober statt.

Wie die Ofri unserer Zeitung auf Nachfrage mitteilte, werde der Vorschlag der Stadträtin akzeptiert. Ofri-Sprecher Thomas Müller werde für seine Gruppe an dem Arbeitskreis teilnehmen.