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Staatssekretär besucht Stromtrasse Hoffnung auf Erdkabel im Osnabrücker Land gedämpft

Von Sandra Dorn | 25.04.2014, 00:17 Uhr

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium hat die Hoffnungen der Bürger in Osnabrück-Voxtrup und Melle-Wellingholzhausen auf Erdkabel statt 380-Kilovolt-Freileitungen arg gedämpft. „Sie sind nicht die einzigen Menschen in der Republik“, machte Uwe Beckmeyer (SPD) bei einem Ortsbesuch deutlich.

„Wir können nicht hier ein Feuer löschen und damit anderswo einen Flächenbrand auslösen“, sagte Beckmeyer. Er sei in Vertretung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel nach Voxtrup und Wellingholzhausen gekommen, um sich einen Eindruck von den Betroffenheiten vor Ort zu machen, sagte er. „Diese Sensibilität ist keine Antwort, dass wir hier überall Erdkabel verlegen“, machte er deutlich. Es gehe „um den Standort Deutschland“ und die Energiewende. Gleichwohl wolle er „überlegen, wie man den Menschen vor Ort helfen kann“.

Etliche Bürger und Vertreter der regionalen Politik flankierten Beckmeyers Besuch. Es gehe ihnen doch nur um eine zusätzliche kurze Passage im Energieleitungsausbaugesetz (EnLAG), betonten sowohl Christine Hoefer, Sprecherin der Voxtruper Bürgerinitiative, als auch Frank Vornholt aus Wellingholzhausen. Die Möglichkeit von Erdkabeln solle nicht nur auf vier bundesweit vorgesehenen Pilotstrecken bestehen, sondern überall da, wo es angemessen sei. „Am Ende steht die Einsicht: Es ist schlimm hier“, sagte Hoefer. Die Hochspannungsleitung, die von 220 auf 380 Kilovolt aufgerüstet werden soll, sei einfach zu nahe am Ort, die gesetzlichen Mindestabstände (200 Meter im Außen- und 400 Meter innerhalb von Siedlungen) könnten wohl kaum eingehalten werden. „Wenn Erdkabel, dann an unserer Trasse“, forderte sie. Besagte Stromtrasse ist eine von 24, die laut EnLAG ausgebaut werden sollen. Sie führt von Bad Essen-Wehrendorf über Bissendorf nach Lüstringen und dann weiter durch Voxtrup, Borgloh und Wellingholzhausen nach Gütersloh.

Das EnLAG sei die Basis, auf der Amprion arbeite, betonte Beckmeyer. Amprion ist einer der Übertragungsnetzbetreiber, die vom Bund mit dem Ausbau des Stromnetzes beauftragt sind. „Es ist nicht auszuschließen, dass ein Gesetz geändert werden kann“, sagte Beckmeyer. Aber diejenigen, die das neue Stromnetz brauchten, seien nun mal die breite Mehrheit.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Mathias Middelberg stimmte ihm zu. „Ich halte es für extrem schwierig, das Gesetz aufzumachen – dann kommen wir in der Energiewende nicht mehr voran.“ Bis 2022 sollen die letzten Atomkraftwerke abgeschaltet werden – und um Windstrom aus Norddeutschland in den Süden zu transportieren, ist das bestehende Netz zu schwach.

Vornholt betonte in Wellingholzhausen, dass die Bürger keine überzogenen Forderungen stellten. „Wenn die Mindestabstände eingehalten werden, können wir durchaus damit leben.“ Er habe aber große Zweifel daran. Der Dialog mit Amprion und den Gesetzgebern finde zudem nicht auf Augenhöhe statt. Und: Die Erdkabel würden dermaßen schlechtgeredet, dass sie technisch kaum weiterentwickelt würden.

„Wir werden das sehr, sehr intensiv prüfen“, versprach Beckmeyer, „aber es muss zeitlich umsetzbar, bezahlbar und technisch möglich sein.“