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„Staat treibt uns in Altersarmut“ Protestaktion der Osnabrücker Deutschlehrer

Von Ulrike Schmidt, Ulrike Schmidt | 15.03.2016, 17:49 Uhr

Die Lehrkräfte für „Deutsch als Zweitsprache“ der Volkshochschule haben am Dienstagmittag gegen ihre prekären Arbeitsbedingungen protestiert. Dabei wurden sie von Kursteilnehmern unterstützt.

„Der, die, das – Bildung kostet was“, skandierten Lehrkräfte und Teilnehmer. Der Protest richtet sich gegen die prekären Arbeitsbedingungen der DAZ-Lehrkräfte in den Integrationskursen. Kein Arbeitsvertrag, kein Geld in der unterrichtsfreien Zeit, keine Absicherung im Krankheitsfall, Renten- und Krankenversicherung müssen aus eigener Tasche bezahlt werden – und das bei einem Nettostundenlohn von 10 Euro.

„Unsere Lehrerin ist richtig toll“

„Ich verstehe nicht, dass meine Arbeit nicht anerkannt wird und der Staat mich in die Altersarmut treibt“, sagte DAZ-Lehrerin Ilona Schowe stellvertretend für ihre Kolleginnen und Kollegen. Den bezahlt würden nur die Unterrichtsstunden, nicht aber die vor allem in den höheren Kursen sehr aufwendige Vor- und Nachbereitung sowie Korrektur der Klausuren.

Deutschlandweit gehen in diesem Tagen DAZ-Lehrkräfte auf die Straße, um feste Arbeitsverträge und eine Vergütung wie Berufsschullehrer zu fordern. In Osnabrück wurden sie dabei von zahlreichen Teilnehmern unterstützt. „Damit wollen wir unserer Lehrerin etwas zurückgeben“, sagte Einer. Eine andere brachte es kurz auf den Punkt: „Unsere Lehrerin ist richtig toll.“

Bildungspolitischer Skandal

Einen „hervorragenden Job“ bescheinigte auch Volkshochschul-Geschäftsführer Carl-Heinrich Bösling seinen Lehrkräften. In den vergangenen 15 Jahren habe die öffentlich finanziert Erwachsenenbildung einen Rückgang um 41 Prozent erlebt. Es sei ein „bildungspolitischer Skandal ohnegleichen“, dass das Honorar 2016 auf dem Niveau Anfang der 1990er Jahre stehe.

Durch die starke Zuwanderung der Flüchtlinge seien die Versäumnisse der Vergangenheit schlagartig deutlich geworden, sagte Bösling. Deshalb sei eine höhre Finanzierung durch den Bund erforderlich.

Baustein für die Integration

Unterstützung dieser Forderung erhoffen sie sich Protestler auch von Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Deshalb zogen sie von der Volkshochschule zum Rathaus. Für die NOZ und die Demonstranten unterbrach Griesert kurz die laufende Konferenz und stellte sich vor der Kamera den Fragen.

Nach einer menschenwürdigen Unterbringung sei eine Sprachförderung der Flüchtlinge der wichtigste Baustein für die Integration: „Dafür brauchen wir Sie an allen Ecken und Enden“, wandte sich der Oberbürgermeister an die Demonstranten.

Griesert sagte zu, mit der Osnabrücker Initiative Deutsche als Zweitsprache einen Termin auszumachen, um gemeinsam zu überlegen, wie die Fachkräfte ihre Forderungen durchsetzen können.