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Spielfreudiges Ensemble Kinderoper „Don Quichotte“ am Theater überzeugt

Von Jan Kampmeier | 02.05.2016, 16:07 Uhr

Sieben Sänger und neun Instrumentalisten haben im Osnabrücker Theater Georg Philipp Telemanns „Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho“ in einer flotten Inszenierung für Kinder auf die Bühne gebracht.

Man fragt sich nach einer guten halben Stunde schon, ob die Hochzeit überhaupt noch eine Rolle spielen wird, denn bis dahin gibt es einen ausführlichen, rein instrumentalen Teil, anschließend diskutieren Don Quichotte und Sancho Pansa über Tapferkeit, Ruhm und ähnliche Themen. In der Inszenierung von Georg Philipp Telemanns „Don Quichotte auf der Hochzeit des Comacho“ als Kinderoper hat Regisseurin Clara Kalus für dieses lange Vorspiel ein Ärzteteam auf die Bühne des Osnabrücker Theaters gebracht, das in einer großen Kiste die leblosen Körper der beiden Spanier geliefert bekommt und nun eine Reihe von Experimenten mit ihnen vornimmt. Doch dann überrascht der selbsternannte Ritter die Forscher, indem er plötzlich wieder zum Leben erwacht und zu singen beginnt. So sorgen auch hier schon zahlreiche witzige Einfälle für Unterhaltung.

Don Quichotte gestaltet die Bühne um

Schließlich übernimmt Don Quichotte selbst die Umgestaltung der Bühne, und die Ärzte ziehen ihre Kittel aus und Hirtenkleidung an, wobei dann auch mal ein Wischmob als Beinschoner herhalten kann (Bühne und Kostüme: Julia Kerk). Genadijus Bergorulko spielt den Titelhelden mit vielfach erprobtem Talent für komische Rollen, doch in diesem Fall hat er ein äußerst spielfreudiges Ensemble aus Studenten der Hochschulen in Bremen und Hannover zur Seite, allen voran natürlich Äneas Humm als Sancho. Der singt auch besonders humorvolle Texte: „Mein Esel ist das beste Tier, so wie mein Weib das schlechtste auf Erden.“ Der Esel ist hier übrigens ein alter Heimtrainer.

Doch Telemann wusste solche erbaulichen Nummern wirkungsvoll mit traurigen zu kontrastieren. Voller Mitleid besingt das Ensemble den armen Schäfer Basilio (Max Müller), weil der seine geliebte Quiteria (Magdalena Hinz) an den reichen Comacho (Alexander Masters) verliert.

Das ganze Foyer genutzt

Die Inszenierung nutzt das ganze Foyer des Theaters, auch hinter und zwischen den Zuschauern wird gespielt und gesungen. Dabei ist auch die musikalische Seite ausgesprochen gelungen. Die Sänger und das kleine Orchester aus zwei Oboen, fünf Streichern und Schlagwerk unter der Leitung von An-Hoon Song am Cembalo harmonieren gut und kosten die Partitur lustvoll aus.

Schon ab sechs Jahren empfiehlt das Theater die 75-minütige Produktion, doch etwas älter sind die meisten Kinder wohl, die bei der Premiere miterleben, wie Basilio durch einen im Grunde lächerlichen Trick schließlich alles zum Guten wendet.