Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Spannende Sci-Fi-Vision „Transfer“: Das Leben im anderen

Von Tobias Sunderdiek | 23.09.2011, 11:01 Uhr

Wäre das nicht schön? Am Ende des Lebens, an dem die Kräfte schwinden, noch einmal ganz von vorne anzufangen? In einem gesunden, wunderschönen Körper? Lust auf Sex, Sport, und überhaupt das Leben wieder spüren? Für das Millionärsehepaar Hermann (Hans-Michael Rehberg) und seine an Krebs erkrankte Frau Anna (Ingrid Andree) wird dieser Traum dank einer Medizinfirma Wirklichkeit. Sie tauschen in einer nicht allzu fernen Zukunft ihre Körper mit denen zweier junger Afrikaner (BJ Britt und Regine Nehly), die jedoch vier Stunden lang in der Nacht zu ihrem eigenen Leben erwachen dürfen. Als Anna bzw. ihr Leihkörper schwanger wird, eskaliert die Situation, die Grenzen zwischen den beiden Daseinsformen verwischen.

Wann ist der Mensch ein Mensch? Wo beginnt, wo endet seine Identität? Wohnt in einem gesunden Körper auch automatisch immer ein gesunder Geist? Regisseur Damir Lucacevic stellt in seinem Science-Fiction-Thriller „Transfer“ brisante Fragen und legt dabei die Finger in die Wunde einer auf Selbstoptimierung programmierten Gesellschaft. Seine Themen reichen von der Ausbeutung der „Dritten Welt“ (Stichwort „Organhandel“) bis zu den ethischen Grenzen der Medizin. Dass der Film trotz aller Zukunftsszenarien nicht nur als spannender Genrefilm, sondern auch als politisch-moralische Parabel mit Gegenwartsbezug funktioniert, ist auch der hervorragenden Besetzung und der dramaturgisch dichten Geschichte zu verdanken. Dicke Moralkeulen werden da nicht geschwungen, menschliche Daseinsfragen aber geschickt eingebunden. Ein spannender Film zu einem wichtigen Thema.

„Transfer“. D 2010. R: Damir Lucacevic. D: Ingrid Andree, Hans-Michael Rehberg, Regine Nehly, BJ Britt, Jeanette Hain, Mehmet Kurtulus. 96 Min. Ab 12. Filmpassage.