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80 Meter über dem Abgrund Slackliner balancieren über den Piesberger Steinbruch

Von Michael C. Goran | 02.10.2021, 20:19 Uhr

Zehn „Slackliner“ sind am Samstag auf dünnen Bänder über den Steinbruch des Piesberges in Osnabrück balanciert – in schwindelerregender Höhe und bei starkem Wind.

Die „Slackline“ ist nur ein paar Zentimeter breit und hängt schlaff in 80 Meter Höhe über dem Abgrund. Barfuß steht Teilnehmer Gregor etwa auf der Mitte des 390 Meter langen Bandes. Er wackelt plötzlich stark, dann stürzt er. Die Sicherungsleine greift und kurz baumelt Gregor unter dem Band. Dann kommt er mit Leichtigkeit wieder auf die „Line“. Zuerst sitzend, dann wieder stehend, um seinen Weg fortzuseten. „Da gibt es eine bestimmte Technik, die man vorher lernt“, erklärt Konrad Lochow vom Verein Slacklining Bremen.

Slacklines von 80 bis zu 390 Meter

Die Slackliner-Crew hat drei flache Bänder in unterschiedlichen Längen aufgespannt. Diese „Slacklines“ sind ihr primäres Sportgerät und überspannen den Steinbruch in Längen von 80 bis zu 390 Meter. Das Spannen der „Lines“ auf 80 Meter Höhe war aufwendig. Lochow und die Crew haben Verbindungsbänder in die Tiefe gelassen, sind dann heruntergelaufen und haben die verbundenen Bänder dann hochgezogen. „Es sind etwa 60 Meter lange Segmente die wir da verbunden haben“, sagte Lochow. Anders als beim Seillaufen tragen die Verankerungen weniger Last, da die Bänder nicht straff gespannt werden. Bei Slacklines in großer Höhe spricht der Experte von „Highlines“.

Hier finden Sie die schönsten Fotos von der Veranstaltung >>"Man steigert sich stetig“

Lochow erläuterte worauf es ankommt: „Das Highlining lebt ein bisschen davon flexibel zu sein und sich schöne Orte auszusuchen.“ Der Slackliner engagiert sich seit etwa zwei Jahren stark in seinem Sport. Slacklining lernt man nach und nach. „Im Endeffekt geht es los wie es jeder kennt. Im Park wird eine fünf Meter Line aufgebaut und dann versucht man darüber zu laufen. Die Lines werden mit der Zeit immer länger und immer weniger gespannt. Man lernt bergab und bergauf zu laufen. Die Mitte zu kontrollieren. Und irgendwann gewöhnt man sich daran Strecken wie die 390 Meter zu laufen. Man steigert sich stetig.“ Für Slackliner ist das Laufen wie eine Meditation. „Am besten geht einem gar nichts durch den Kopf. Gedanken wie ‚Hey, wie hoch bin ich gerade?‘ bringen einen in dem Moment nicht weiter. Das beste Gefühl ist, wenn man in einen Gemütszustand, in einen Flow kommt“, erklärte Lochow.

Highlining ist materialintensiv

Vor allem Highlining ist sehr materialintensiv. Für die Steinbruchstrecken verwendete die Crew neben der eigentlichen Slackline auch Statikseile und Industrieschlingen, die sehr robust sind und wenig Dehnung haben. Dazu kamen Bandhalter, Verbindungsstücke und andere Elemente. Die Ausrüstung der Läufer ist individuell. Manche laufen barfuß andere in speziellen Schuhkombinationen. Schönes Wetter ist für den Sport nicht immer nötig. Ob Sonne oder Regen entscheidet eher der Wohlfühlfaktor. Auf Wind ist aber immer zu achten.

Auf der Suche nach ikonischen Orten

Für Slackliner-Träume gibt ikonische Orte, etwa in den USA. „Im Yosemite-Nationalpark, wo die ersten Highlines aufgebaut wurden“, schwärmt Lochow. „Das ist ein Ort, da könnte ich mir gut vorstellen eine Highline aufzubauen und zu laufen.“