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Skurriles Privatmuseum Dieser Osnabrücker hat einen Staubsauger-Fimmel

Von Claudia Scholz, Claudia Scholz | 27.12.2016, 14:09 Uhr

Der 40-jährige Matthias Werner sammelt Staubsauger und Küchengeräte seit seiner Kindheit –mittlerweile sind es über 380 Sauger. Manche Geräte stammen aus der Nachkriegszeit, manche dienten auch als Viehbürste oder Haartrockner.

Als Kind nahm Matthias Werner die Staubsauger seiner Mutter auseinander. Die Technik interessierte ihn. Mit zehn bekam er seinen ersten eigenen Staubsauger von der Oma, an dem er offiziell herumbasteln durfte. Heute besitzt Werner, mittlerweile 40 Jahre alt, 380 Sauger aus sieben Jahrzehnten. Sie heißen „Mercedes“, „Kobold“, „Progress“ oder „Vampyr“.

Über die Zeit weitete sich seine Sammlung auf allerlei Küchengeräte aus. In Werners Privatmuseum am Westerberg, das er 2006 einrichtete, finden sich Entsafter, Mixer, Rasierer, Duftzerstäuber – über 1200 Exponate insgesamt. Sogar ein paar alte Waschmaschinen von Miele stehen herum. Alles rund um die Haushaltsführung der 30er Jahre bis in die heutige Zeit fasziniert den Osnabrücker, der als Raumausstatter sein Geld verdient.

Haare trocknen und Vieh putzen

Von der Kult-Marke Vorwerk hat er nahezu alle Haushaltsgeräte der 30er Jahre bis heute. Der „Kobold“ Staubsauger mit einem muskulösen, nackten Mann als Logo war eine Wirtschaftswunder-Ikone. Millionen Frauen schworen auf das russischgrüne Gerät. Es gab ihn nie im Laden, Vertreter verkauften ihn an der Haustür. In den 50er und 60er Jahren konnte die eifrige Hausfrau mit dem Sauger Haare trocknen, die Obstbäume mit Insektenvernichter bespritzen oder die Stallwände kälken, das Vieh vom Schmutz befreien oder das Bohnerwachs mit dem Blocker auf dem Linoleum verteilen. Das Ideal der damaligen Zeit: ein Gerät, viele Funktionen. An einer alten Schaufensterpuppe demonstriert Werner mit Trocknerhaube und Saugschlauch, wie praktisch der Sauger war.

Auf Ebay und Flohmärkten findet Werner viele Objekte. Und er tauscht sich mit 30 Staubsauger-Sammlern aus ganz Deutschland aus. Die meisten alten Staubsauger bekomme man für wenig Geld, einige Raritäten wie der Kobold mit integrierter Viehbürste seien aber nur schwer und für Tausende Euro zu bekommen.

Skurriles Hobby

Das Museum ist ein Ort, wo der 40-Jährige sich mit seinem Hobby zurückziehen kann. „Hier kriege ich den Kopf frei und kann etwas herumbasteln“, sagt Werner mit glänzenden Augen. Er weiß, dass sein Hobby auf andere ziemlich skurril wirkt. Aber diejenigen, die einmal in seinem Museum waren, begeisterten sich dann doch für die Objekte. Staubsauger faszinieren eigentlich jeden, sagt er. Die Leute würden beim Anblick der alten Röhren oft sagen: „Oh, den hatte meine Oma auch.“ Sammler, Liebhaber, Interessierte können die Sammlung auf Anfrage besichtigen, feste Öffnungszeiten gibt es keine.

Thermomix in den 70ern

Auf alten Plakaten aus den 70er Jahren lächeln einem weißzahnige und dauergewellte Hausfrauen mit Staubsauger in der Hand entgegen. Auf anderen ist der Vorgänger des heutigen Thermomix zu sehen. Smoothies wurden damals auch schon damit gemacht. Sie hießen wahrscheinlich einfach nur Saft oder Fruchtschaum. Manche Produkte sind dagegen vom Markt verschwunden wie Duftzerstäuber und Raumparfum von Vorwerk, die sich auf den Ablagen tummeln.

Moderne Saugroboter und hypermoderne Staubsauger im sportwagenähnlichen Design sucht man dagegen vergeblich. Matthias Werners Vorliebe gilt den alten Teilen. Zwar hat der Osnabrücker Sammler auch den neuen Thermomix – „aber zu Hause in der Küche“. Die alten Sachen gefallen ihm, weil sie „zeitlos und wertig seien.“

Oldtimer-Liebhaber und 50er-Jahre-Fan

Theoretisch könne man alle Ausstellungsstücke in seinem Museum benutzen, bis auf ein paar wenige Ausnahmen seien alle noch funktionstüchtig. „Moderne Geräte und Möbel sind oft schnelllebiger, sie halten nicht mehr so lange. Die hochwertigen Sachen kann man dagegen ewig behalten“, sagt Werner, der sich auch als 50er-Jahre-Fan bezeichnet. Er liebt Schallplatten und fährt einen hellblauen Opel von 1955. Der Oldtimer ist sein zweites großes Hobby.