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Sieben Jahre Haft für Panzerknacker Abgestürzte Wohlhabende aus Lengerich gab Einbrechern Tipps

Von Stefanie Adomeit | 10.12.2015, 17:39 Uhr

Eine abgestürzte High-Society-Lady aus Lengerich gab Einbrechern Tipps, wenn ihre reichen Freunde nicht Zuhause waren. Die Täter wurden jetzt zu mehreren Jahren Haft verurteilt.

Dass sich ihre Einbrüche lohnen würden, war den Männern aus Ostwestfalen schon klar, bevor sie den Schraubenzieher und die Flex ansetzten. Ihre Tippgeberin war eine verarmte Lengericherin aus reicher Familie. Ihr Anteil an der Beute: 30 Prozent. Das lohnte sich. Mindestens 350000 Euro haben die Täter in Form von Schmuck, Gold, Uhren und Bargeld aus Villen in Osnabrück, Bad Bentheim, Georgsmarienhütte und anderswo in Norddeutschland gestohlen. Ihr Vorgehen: höchst professionell. Ihre Strafe: siebeneinhalb und fünf Jahre Haft für die Haupttäter. So das Urteil des Landgerichts Osnabrück.

Siebeneinhalb Jahren Gefängnis für Haupttäter

„Macht hoch, die Tür, die Tor macht weit“... Das taten die Männer. Kurz vor Weihnachten bekamen sie jetzt, nach sechsmonatiger Verhandlungsdauer, die Quittung für ihren schweren Bandendiebstahl: ein 41-jähriger Bielefelder, der hervorragend mit seiner Flex umgehen konnte, ein 28-Jähriger aus Oerlinghausen, der sich als Tippempfänger und Einbrecher doppelt nützlich gemacht hatte, und ein 59-jähriger Komplize aus Lengerich.

Als Hauptverantwortlichen stufte das Landgericht den 28-Jährigen ein. Er wurde zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Der Tresorknacker erhielt fünf Jahre, der Dritte im Bunde muss wegen Beihilfe 140 Tagessätze à 40 Euro, also 5600 Euro zahlen.

Das Verfahren gegen die 60-jährige Lengericherin aus steinreicher Familie, die den Tätern Hinweise gab, wenn ihre wohlhabenden Verwandten und Bekannten in Urlaub waren, war abgetrennt worden, weil sie zu Beginn der Verhandlungen erkrankt war. Welche Motive sie dazu trieben, Familie und Bekannte zu schädigen, ist noch nicht bekannt.

In Osnabrück unterwegs

Aus dem Haus ihrer besten Freundin hatten die Täter Beute im Gegenwert von 60000 Euro herausgeschleppt. Am Osnabrücker Lieneschweg waren es im Mai 2013 Schmuck, Uhren, Münzen und Besteck im Wert von 50000 Euro. Sobald die Angeklagte verhandlungsfähig ist, werde auch ihr Verfahren eröffnet, kündigte die stellvertretende Pressesprecherin am Landgericht, Nicole Hellmich, an.

Tresore waren für die Täter kein Hindernis. Der 41-Jährige flexte das Sicherungswerk des Safes einfach heraus. Er scheiterte nur an wenigen Modellen. Neun Taten hatte die Staatsanwaltschaft den „Schränkern“ vorgeworfen. Einige Taten waren eingestellt worden. Für die anderen gab es ein Gesamturteil.

Der Beutezug endete im September letzten Jahres. Der auffällige schwarze S-Klasse-Mercedes der Täter war einem misstrauischen Zeugen aufgefallen und dokumentiert worden. Zudem bemerkten die Ermittler der Kriminalinspektion Osnabrück, dass alle Opfer zu einer High-Society-Familie gehörten.

Vereinsamt, alkoholkrank und verarmt

Mit einer Telefonüberwachung kam die Polizei der 60-Jährigen auf die Spur. Nach einer gescheiterten Ehe, vereinsamt, alkoholkrank und verarmt, galt sie als das schwarze Schaf ihrer Familie.

Als die Telefone der Täter für die Planung eines weiteren Einbruchs heißliefen, für den einer der Täter extra aus der Ukraine einflog, griff die Polizei ein. Der Besitzer einer Bielefelder Villa überließ dem SEK seine Hausschlüssel – mit der Bemerkung: „Machen Sie aber nichts schmutzig.“ Zwei Tage warteten die Ermittler. Dann setzte der Haupttäter den Schraubenschlüssel an die Tür der Villa. Die Falle schnappte zu.

Die Polizeidirektion Osnabrück ist mit dem jetzt gefällten, deutlichen Urteil zufrieden.