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Seltener Meilenstein der Chormusik Stephan Lutermann bereitet Alfred Schnittkes „Konzert für Chor“ vor

Von Jan Kampmeier | 25.09.2018, 21:08 Uhr

Osnabrück Am Sonntag wird im Osnabrücker Dom Alfred Schnittkes Konzert für Chor gemeinsam vom Osnabrücker Vokalconsort und dem Düsseldorfer Kammerchor aufgeführt. Chorleiter Stephan Lutermann schwärmt vorab in den höchsten Tönen.

Stephan Lutermann schwärmt: „Es ist ein Meilenstein der Chormusik und macht wirklich süchtig. Jeder Chorsänger sollte dieses Stück wenigstens einmal in seinem Leben gemacht haben.“ Tatsächlich kommen wohl nur relativ wenige dazu, denn Alfred Schnittkes „Konzert für Chor“, von dem er da spricht, stellt extreme Anforderungen. In Osnabrück scheint es noch nie aufgeführt worden zu sein.

Stephan Lutermann schlägt die Partitur auf und zeigt auf eine Stelle, an der allein der Tenor achtfach geteilt ist. Weil das Stück stellenweise bis zu 26-stimmig ist, braucht man schon einen großen Chor. Und einen ziemlich guten dazu: 45 Minuten Chorgesang a-cappella, oft ziemlich schwierig. Deshalb könne auch fast kein Chor das Werk alleine aufführen. Dennoch träumte Stephan Lutermann schon seit Jahren davon, das Werk mit seinem Osnabrücker Vokalconsort einmal zu machen und fragte immer mal bei anderen Chorleitern an. Die seien auch alle von dem Stück begeistert, meint er, doch wegen der großen Schwierigkeiten habe es nie jemand mal eben in die eigene Terminplanung einzubauen gewagt.

Da kam Wolfgang Abendroth, Kirchenmusiker in Düsseldorf, und klopfte bei ihm an, vielleicht hatte auch er in Düsseldorf vergeblich nach einem zweiten Chor gesucht. Am kommenden Sonntag nun stemmen Lutermanns Vokalconsort und Abendroths Düsseldorfer Kammerchor das Werk gemeinsam, gut 80 Sänger bringen beide Chöre im Dom gemeinsam auf die Bühne.

Alfred Schnittke komponierte sein Konzert für Chor 1984/85, und es sei, so Stephan Lutermann, sehr viel zugänglicher, als man bei diesem Komponisten erwarten würde. „Es ist eigentlich russische Hochromantik, sagen wir mal, einen Schritt weiter als Rachmaninow.“ Barocke Phrasen finde man da, natürlich Anklänge an orthodoxe Chormusik, aber auch Spuren von Mendelssohn, Strawinskij oder Schostakowitsch. „Das ist ein Text von Gregor von Narek,einem armenischen Mönch aus dem zehnten Jahrhundert, sehr persönliche Trauertexte.“

Schnittke wählte eine russische Übersetzung für seine Vertonung, eine weitere Herausforderung für die Sänger, da es sehr viel Text ist. „Die Uraufführung war 1986 in Moskau, und danach hat Schnittke verfügt, dass es nicht aufgeführt werden darf außerhalb Russlands, weil er befürchtet hat, dass nicht russische Chöre die Seele des Werkes nicht richtig verstehen.“

Stephan Lutermann meint, es werde in seiner Aufführung gewiss anders klingen als bei einem russischen Chor, das lasse sich nicht vermeiden. Aber: „Das ist doch kein Ausschlusskriterium, diese Musik nicht aufzuführen, sonst müsste man ja nur seine lokalen Sachen singen. Man muss dem natürlich gerecht werden, und das können wir.“ Die vier Sätze werden nicht am Stück gesungen: Das Ehepaar (Schmidt-)Banse erläutert das Werk im Stile ihrer Concerts remarquable.