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Selbsthilfe für Prostatakrebskranke Wenn einen die Diagnose umhaut

Von Michael Schiffbänker | 01.09.2011, 13:20 Uhr

Manche Tage sind so schön, dass sie in der Erinnerung nicht altern. Bei schrecklichen Tagen ist es ebenso. Vor neun Jahren erhielt Wolfgang Klimm einen Anruf von seinem Urologen. Noch heute weiß er, wann und wo. Die Nachricht des Arztes lässt sich auf drei Worte reduzieren: Sie haben Prostatakrebs.

„Diese Diagnose haut einen um“, sagte Klimm. Es folgten Operation, Bestrahlung, Bangen, Warten, Hoffen. Klimm fing an, sich zu informieren, und je mehr er wusste, desto besser lernte er, die Krankheit zu akzeptieren.

2004 ging er zu einer Diskussion über Prostatakrebs in der Paracelsus-Klinik. Dort traf er Dietmar John und Friedrich Vohwinkel. Die drei waren sich schnell einig: Das Informieren, Diskutieren, die Gemeinschaft müssen bleiben –und sie waren diejenigen, die dafür sorgen würden.

Sie gründeten eine Selbsthilfegruppe und schlossen sich dem Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe an. Seitdem ist der erste Donnerstag im Monat der Prostatagruppe vorbehalten. Um 19 Uhr treffen sie sich in der Krebsberatungsstelle an der Heger Straße 7–9. Die Treffen stehen jedem offen.

Alle zwei Monate kommt ein Experte zu den Männern. Mal ist es ein Arzt, mal ein Apotheker, dann wieder ein Wissenschaftler. Sie halten Vorträge aus der Praxis, stellen neue Behandlungsmethoden und Therapien vor. Einmal waren fast 100 Besucher bei einem solchen Vortrag dabei.

Gewöhnlich kommen aber weniger, sagt Klimm. Meist seien es 35 bis 40. „Gewöhnlich“ heißt bei der Selbsthilfegruppe ein Klönabend. Es täte den Männern einfach gut, einmal im Monat auf Augenhöhe mit Betroffenen über Ängste und Sorgen zu sprechen. Denn wenn es um Prostatakrebs gehe, käme das Gespräch fast zwangsläufig auf Erektion, Unfruchtbarkeit und Fortpflanzung, sagt Klimm. Für viele Männer sind das Tabuthemen. In der Selbsthilfegruppe werden sie zu Gesprächsthemen.

Am heutigen Donnerstag allerdings steht ab 19 Uhr ein Expertenvortrag über die urologische Praxis auf dem Programm. Klimm hofft auf viele Teilnehmer, die wissen, wie es ist, wenn einen die Diagnose umhaut. „Wir wollen den Menschen die Angst nehmen, weil es für Prostatakrebs viele Therapien gibt.“

Informationen gibt es im Internet auf www.prostatakrebs-shg-osnabrueck.de und unter Telefon 0541/596658.