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Selbstbestimmt leben als Essenz Wolfgang Niedecken beim Sparda-Talk in der Kunsthalle

Von Stefan Buchholz | 31.10.2014, 17:50 Uhr

Vom kölschen Dylan zum alterspragmatischen Anzugträger: So lernten gut 180 Gäste Wolfgang Niedecken in der Osnabrücker Kunsthalle kennen. Beim nicht öffentlichen Event der Sparda-Bank Münster plauderte der Musiker und Autor mit der TV-Journalistin Juliane Hielscher.

Sie fragte sich weder kritisch noch kokett, dafür aber faktengetreu durch die Vita des 1951 in Köln geborenen Niedecken. Selbstbestimmt leben: Das sei die Essenz dessen, was Rock’n’Roll für ihn bedeute, antwortete er. Ohne Beatles, Stones und Dylan kein Musiker Niedecken mit eigenen Texten und BAP, laute die Gleichung, denke er an die Zeiten seiner biografischen Adoleszenz und Reife.

Hielscher ließ darauf ein paar Clips von BAP über den Monitor flimmern. Mit Textzeilen aus den Frühzeiten der Mundartrebellion: „Ne schöne Jrooß ahn all die, die unfählbar sinn. Vun nix en Ahnung hann, die ävver immerhin, su dunn als ob, weil op Fassade do stonnn se halt drop.“ Niedecken grinste ob der längst ausgedienten Protestpose wie ertappt in das Publikum aus Kaufleuten und Kunden des Bankhauses.

Glück habe man gehabt, weil Bedarf bedient, antwortete er auf die Frage, warum sich anno ’82 ausgerechnet Kölsch in der deutschen NDW-Musikszene etablieren durfte. Jenen Vergangenheiten, in denen man durch Plattenverkäufe noch reich werden konnte, bekannte Niedecken fast ein bisschen wehmütig. In streamigen Downloadzeiten wie heute blieben Special-Edition-CDs und Touren die existenzsichernde Einnahmequelle. Nebst den zwei Buchbiografien, die in den letzten drei Jahren dicht aufeinanderfolgten. Auch hier habe er sich am Dylan -Idol und dessen Chronicles orientiert. „Ich erzähle auch lieber, wo was schief gelaufen ist und von Niederlagen“, schilderte Niedecken das Selbstverständnis seiner Bekenntnisse.

Hielscher nahm mit ein paar Fragen noch einen kleinen Umweg entlang der schon allseits in den Medien ausgebreiteten Fakten um den glücklichen Ausgang von Niedeckens Schlaganfall. Daher geriet der Punkt von des Künstlers Sozialengagement in Afrika am Ende ein wenig langatmig. Immerhin rundete unfreiwillig eine Hilfseinsatzgeschichte Niedeckens früh postulierte Selbstbestimmtheit so gar nicht ab: Bei einem der ersten Besuche mit afrikanischen Offiziellen, bin ich wegen meiner schwarzen Künstlergarderobe erst gar nicht an den Tisch gelangt, wo Entscheider entschieden, erzählte Niedecken. Erst mit dem Anzugdress klappte es, um beim nächsten Treffen auch mit dabei zu sein. The times they are a-changin’, hatte ihm da vielleicht schon Bob Dylan zugeraunt.