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Seit zehn Jahren Moderator Klaus Wallendorf reimt beim Neujahrskonzert 2016

Von Ralf Döring | 28.12.2015, 16:10 Uhr

Die Reime von Klaus Wallendorf sind legendär: Seit zehn Jahren moderiert der gelernte Hornist das Neujahrskonzert des Osnabrücker Symphonieorchesters. Aus diesem Grund sprachen er mit uns über Reime, Pointen und Publikum.

 Herr Wallendorf, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Reime zur Musik zu verfassen? 

Ich dachte irgendwann, ich probiere es einfach aus. Ich habe ja nicht viel Inhaltliches zur Musik zu sagen, und das kann ich dann am besten, indem ich es mit stimmigen Reimen versuche. An dem Umstand, dass ich nun seit zehn Jahren nach Osnabrück zum Neujahrskonzert verpflichtet werde, lese ich ab, dass die Reime nicht alle grundfalsch waren. (Weiterlesen: So war das Neujahrskonzert 2015.) 

 Wie gehen Sie denn vor, um ihre Moderationen zu erstellen? 

 Da die Zuhörerinnen und Zuhörer in Osnabrück die Stücke selbst wählen, entstehen Programme ohne inhaltlichen Zusammenhang. Das ist schön, denn das entspricht meiner Textarbeit für German Brass: Ich bin es gewohnt, ohne roten Faden zu arbeiten. Aber manchmal erschließen sich ja plötzliche Zusammenhänge. Allerdings nehme ich nicht gerne Bezug auf Stücke des Programmes. Denn wenn dann etwas umgestellt wird, muss ich auch ändern. Das ist schrecklich. Ich versuche, möglichst unterhaltsam zu sein und mit einem kleinen Schlenker am Schluss die Leute zum Schmunzeln zu bringen.

 Überrascht es Sie, dass durch das Publikumsvotum Programme für das Neujahrskonzert entstehen, die sich wie ein Gegenentwurf zum Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker lesen? 

Ich will jetzt nicht sagen, dass mich nichts mehr überrascht. Aber aus Berlin bin ich es ja gewohnt, dass wir uns gerade von dem Strauß-Programm absetzen: Das machen die Wiener einfach zu gut, als dass man außerhalb von Wien noch ein Walzerprogramm machen würde. Ob es nun Beethoven sein muss, ist eine andere Frage. Aber eigentlich kann man nichts falsch machen – abgesehen von einem Requiem vielleicht. Aber „Prometheus“ und das Grieg-Klavierkonzert funktionieren in jedem Fall.

 Manchmal überschattet die Tagespolitik das Konzertleben. Gibt es Grenzen, die weder Musik, noch der gepflegte Reim überwinden können? Gehen Sie auf derartige tagesaktuelle Dinge ein? 

 

Auf ein wirklich einschneidendes Ereignis würde ich versuchen, einzugehen – aber nicht auf Biegen und Brechen. Zum Glück ist mir das noch nicht widerfahren. Aber mit den Berliner Philharmonikern spielten wir einen Monat nach dem 11. September in Amerika. Da bieten sich für ein großes Orchester natürlich schon an, im Konzert darauf Bezug zu nehmen. Aber bei einem Neujahrskonzert: Das müsste man dann vielleicht auch absagen. Denn sich krampfhaft als Betroffener einzubringen, finde ich eher peinlich.

 Wie weit sind Sie denn mit dem Programm für Osnabrück? 

So lange weiß ich ja noch nicht, was gespielt wird. Trotzdem steht das Programm im Wesentlichen; ich könnte ohne Weiteres jetzt schon auftreten. So ein neues Programm arbeitet ein paar Tage lang in mir, bis ich zu jedem Stück eine Idee habe. Denn dann kann alles noch ein bisschen ruhen, und vielleicht kommt ja noch etwas von allein – das ist oft das Beste, weil es locker und ohne Zwang kommt. Pointen, auf die man warten muss, kann man gleich vergessen. Aber ich bin guter Dinge – überdies habe ich ja nach wie vor den Bonus: Ich muss nicht von den Worten leben. Das hilft dem Publikum allerdings nicht, und um so froher bin ich, dass mich das Theater immer wieder bestellt hat. Und Hermann Bäumer hat mich jetzt sogar mit nach Mainz mitgenommen. Dadurch habe ich jetzt immer eine kleine Serie am Anfang des Jahres.

 Wie entstehen denn gute Reime? 

Man kann sich sicher nicht auf die Inspiration verlassen. Natürlich gehe ich gern spazieren, und Ideen, die mir da kommen, spreche ich in mein iPhone oder schreibe sie irgendwo auf. Ein paar Verse und Reimformen können einem da schon einfallen. Aber die Hauptarbeit findet dann doch am Schreibtisch statt – oder am Laptop: Damit hat man seinen Schreibtisch ja immer dabei. Ich fahre jetzt mit dem Zug nach Stuttgart und von da nach Berlin, und da kann ich dann schön feilen. Denn es freut mich natürlich, wenn anspruchsvolle und erfahrene Menschen mit einem Text von mir einverstanden sind: Dann hat das nicht so einen Hobby-Charakter. Die Leute kriegt man dann eher über die Vortragsart. In manchen Landesteilen dauert es ja ein bisschen länger, bis der erste Schmunzler kommt, aber die lassen einen dann nicht mehr weg. Das habe ich schon öfter erlebt.