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Seit 1996 unter Denkmalschutz Ringlokschuppen Osnabrück: Bau mit Seltenheitswert

Von Sebastian Stricker | 21.11.2013, 20:31 Uhr

Der Ringlokschuppen Osnabrück wurde 1913 durch die Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung errichtet. Er besteht aus zwei halbkreisförmigen Garagen, die durch ein Verwaltungsgebäude miteinander verbundenen sind. Die Anlage hatte zwei Drehscheiben und bot 34 Lokomotiven Platz. Seit 1996 steht sie unter Denkmalschutz.

Der Ringlokschuppen ist das Kerngebäude des ehemaligen Güterbahnhofs an der Hamburger Straße im Stadtteil Fledder, der zu den größten und am besten ausgestatteten Betriebswerken der Reichsbahn zählte. Zuvor waren die Dampflokomotiven am Hannoverschen Bahnhof und am Bremer Bahnhof rangiert worden. Es ersetzte zudem die 50 Jahre alte Werkstatt an der Sandbachstraße.

Seine Blüte erlebte das neue Betriebswerk Rangierbahnhof in der Vorkriegszeit sowie in den Wirtschaftswunderjahren. Das Aufkommen von Diesel- und Elektroloks läutete das Ende der Ringlokschuppen-Ära an. Im Sommer 1973 wurde das Werk in Fledder mit dem Bahnbetriebswerk Osnabrück Hauptbahnhof zusammengefasst. Ausbesserungsarbeiten fanden ab sofort am Hauptbahnhof statt, während in Fledder nur noch Lokomotiven abgestellt wurden. 1985 wurde der Standort ganz aufgegeben. Die Drehscheibe West blieb noch einige Jahre in Betrieb.

Im Ringlokschuppen war es möglich, die immer größer und komplizierter werdenden Dampflokomotiven zu versorgen, zu warten und zu reparieren. Nach Angaben des Experten-Blogs Osnabahn waren im Jahr 1928 insgesamt 273 Menschen im Betriebswerk beschäftigt, 1935 bereits 354. Hohe Wochenarbeitszeiten von 60 Stunden waren üblich.

Bei Bombenangriffen auf Osnabrück in den Jahren 1944 und 1945 wurde der Ringlokschuppen teilweise zerstört und nach Ende des Zweiten Weltkriegs nach alten Plänen wieder aufgebaut. 584 Mitarbeiter kümmerten sich bis in die 1950er-Jahre um Wiederaufbau und Fahrdienst sowie die Instandsetzung der Maschinen.

Mit der Einstellung des Dampflokverkehrs in den 1970er-Jahren verloren die Lokschuppen an Bedeutung, blieben jedoch vorübergehend als Stände für Diesel- und Elektroloks in Gebrauch. Zwei weitere Ringlokschuppen mit jeweils einer Drehscheibe im Betriebswerk des Osnabrücker Hauptbahnhofs wurden 1908 und 1918 abgerissen. Ringlokschuppen mit Doppeldrehscheibe sind besonders selten und wurden außer in Osnabrück beispielsweise auch in Köln und in Hamburg-Altona gebaut.

In einem Brief des Niedersächsischen Instituts für Denkmalpflege an die Stadt Osnabrück vom 22. Juli 1996 heißt es, der Ringlokschuppen stelle „die größte Lokomotiv-Remise aus der Spätzeit der Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung in Niedersachsen – wahrscheinlich in ganz Deutschland“ dar und sei mit seinen zwei Drehscheiben ein „wesentliches Denkmal der Verkehrs- und Technikgeschichte“. Außerdem handele es sich um eine der frühesten Großbauten aus Beton in Norddeutschland. Das Stahlbetonskelett des Ringlokschuppens galt zur Zeit seiner Errichtung als „außerordentlich fortschrittlich“.

Von außen ist das Gebäude heute nahezu unverändert. Lediglich der ehemals zugehörige Kamin ist abgetragen. Im Inneren des Ringlokschuppens wurden Arbeitsgruben verfüllt, Prellböcke und Bockkräne ausgebaut, Gleise teilweise entfernt oder überbetoniert. Auch die beiden Drehscheiben (Durchmesser jeweils 23 Meter) sind nicht mehr vorhanden.