Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Sechs Jungforscher auf Titeljagd Osnabrücker Robokids fahren zur WM nach Brasilien

Von Dietmar Kröger | 13.07.2014, 19:43 Uhr

„Es muss kein 7:1-Sieg sein, aber ein vorderer Platz wäre schon schön.“ Werner Söte, Vorstandvorsitzender des Schülerforschungszentrums (SFZ), gab beim gemeinsamen offenen Training die Devise für das Osnabrücker Team beim Robo Dance World Cup in João Pessoa in der Nähe von Recife aus.

Sechs Jungen und Mädchen, qualifiziert durch den Sieg bei den deutschen Meisterschaften , machen sich auf den Weg, um in Brasilien mit ihrer Version von „Aladin und die Wunderlampe“ ganz oben auf das Treppchen zu kommen. Möglich wird die Reise durch Sponsoren wie die Felix Schoeller Gruppe und ZF Lemförde. Die beiden „Goldsponsoren“, wie Söte sie nannte, haben gemeinsam mit einer Vielzahl weiterer Geldgeber die stolze Summe von 18000 Euro zusammengebracht, die dieses einmalige Erlebnis für die Kinder erst möglich macht. Zehn Tage werden die Schüler im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren sowie ihre Begleiter in Brasilien bleiben.

Aber das SFZ besteht wahrlich nicht nur aus den Robo Dance Kids. Das Angebot ist vielfältig. Davon konnten sich die Gäste beim offenen Training aller Gruppen in der Sedanstraße 26 überzeugen. Wie wäre es zum Beispiel mit Robotics? Für den Laien gesprochen, werden hier selbst gebaute Fahrzeuge mittels Computer in Bewegung gebracht, um bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Das bedarf nicht nur eines ausgefeilten Wissens um das Programmieren, sondern auch handwerklicher Fertigkeiten.

Marcel Flottmann und Jan Luca Gausmann haben es hier schon zu einiger Perfektion gebracht. Ihr Roboter entsteht derzeit noch in seiner endgültigen Version am Computer mit einem CAD-Programm. „Wir wollen erst genau planen, bevor wir drauflosbauen“, sagt Jan-Luca. Einen Prototyp haben die beiden aber schon entwickelt. Derzeit testen sie an dem Gefährt einen neuen Radtyp, der aus vielen Rollen besteht. Diese Konstruktion macht den Roboter außerordentlich beweglich. Die Herren Konstrukteure zeigen sich denn auch äußerst zufrieden mit den Testergebnissen.

Zunehmend auf dem Vormarsch auf dem Feld der Robotertechnik ist die Damenwelt. Marcels Schwester Julia bereitet sich am Nebentisch mit ihrer Teamkollegin Lydia Walter auf den nächsten Wettbewerb vor. Auch sie haben einen rollenden Roboter und einen Laptop vor sich. Auf den verschiedenen Wettbewerben – Lydia und Julia konnten sich bei der letzten Competition in GMHütte einen guten vierten Platz erarbeiten – gilt es verschiedene Aufgaben mit den Robotern zu erfüllen, die dann mit Punkten bewertet werden.

Möglichst weit vorne wollen auf nationaler Ebene auch Johanna Lutter und Merle Baller mitmischen. Mittels Programmierung bringen sie ihrem Roboter bei, einen Parcours sicher zu durchfahren und am Ende ein Opfer zu bergen, heißt, in eine markierte Zone zu bugsieren. Programmieren mache mehr Spaß als das Schrauben am Roboter, sagen die beiden und konzentrieren sich wieder auf den Bildschirm.

Und noch eine Abteilung des SFZ hat große Pläne. Der Forschungsbereich Mobilität will mit der NASA anbandeln. Die US-Raumfahrtbehörde hat einen Wettbewerb ausgeschrieben, der in Huntsville in den USA stattfinden wird. Worum geht es? Die NASA veranstaltet ein Moonbuggy Race. Und genau solch ein Gefährt entwickeln die 11 bis 16 Jahre alten Schüler um Andreas Kahmann, der die Gruppe an der BBS Brinkstraße betreut. Beim Moonbuggy geht es nicht um Computertechnik, sondern vielmehr um Mobilität in ihrem ursprünglichen Sinne, denn das Vehikel soll von zwei Personen mit Muskelkraft angetrieben werden.

Nun ist das Leben doch nicht immer so einfach, wie der Laie es sich vorstellt. Denn im Einsatz im schweren Gelände braucht so ein Moonbuggy zum Beispiel ein Getriebe, mit dem sich verschiedene Gänge wählen lassen, Die Schüler lernen am SFZ zunächst an Legomodellen, wie so ein Getriebe arbeitet, wie man es konstruieren kann und vor allem welche Probleme im Alltag immer wieder auftreten können. „Zu Anfang haben die Zahnräder wie wild geknirscht“, sagt Kahmann. Aber die SFZ-Kids hätten eine Lösung gefunden. Jetzt laufen die Legobuggys völlig geräuschlos.

Und wenn alles gut geht, muss Werner Söte demnächst wieder Sponsoren suchen, damit auch die Mobilitätsgruppe des SFZ die Farben Osnabrücks jenseits des Atlantiks vertreten kann.