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Schwule nur bedingt willkommen Osnabrücker Wirt schmeißt Schwule aus seiner Kneipe

Von Jörg Sanders | 31.05.2017, 09:12 Uhr

Der Wirt einer Gaststätte in der Osnabrücker Johannisstraße hat in der Nacht zu Samstag, 20. Mai, vier schwule Männer aufgrund ihrer Homosexualität aus seiner Kneipe geworfen.

Die vier Männer feierten bis spät in die Nacht, bis sie irgendwann in der Gaststätte in der Johannisstraße landeten. Als sich zwei der Männer dort küssten, habe der Wirt die Gruppe übelst beschimpft und aus seinem Lokal geworfen.

Rauferei auf der Straße

So beschreibt es ein Mitglied in der geschlossenen Facebookgruppe „Was los in Osnabrück“. Einer der Rausgeworfenen, der anonym bleiben möchte, bestätigte die Vorgänge im Gespräch mit unserer Redaktion und konkretisiert: Nachdem der Wirt seine Freunde und ihn aus der Gaststätte wegen eines Kusses geworfen habe, hätten sich beide Seiten mit Beleidigungen nicht zurückgehalten. Das Ganze sei gegen 3.30 Uhr passiert, als das homosexuelle Quartett bereits recht betrunken gewesen sei.

Wirt gibt Rausschmiss zu

Im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt der Wirt, die Männer aus seiner Kneipe geworfen zu haben, nachdem sich zwei der Männer geküsst hatten. „Was die in ihrem Leben machen, ist mir scheißegal, aber nicht in meinem Laden“, sagt er. Der rausgeworfene Gast sei als Homosexueller „kein normaler Mensch“.

Kommen ja, Küssen nein

Mit Schwulen wolle der Kneipier nichts zu tun haben. Er habe daher von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht. Auf Nachfrage sagte der Wirt, dass Schwule zwar zu ihm kommen dürften, „aber dann sollen sie sich benehmen und nicht knutschen“.

Der Gast berichtet ferner, der Wirt habe ihn auf der Straße mit einem Schlagstock angegriffen, nachdem er ihn ebenfalls beleidigt hatte. Er habe sich daraufhin verteidigt und den Wirt angegriffen.

Wirt weist Gewaltvorwurf zurück

Dieser dementiert: Er habe die vier Männer in keiner Weise körperlich attackiert und sei auch selbst nicht geschlagen worden. Er besitze keinen Schlagstock. Den Vorwurf der Gewalt erachtet der Wirt als geschäftsschädigend. „So eine Lüge macht mir das Geschäft kaputt.“ Von den vier Männern habe er sich übel beschimpfen lassen müssen, unter anderem als Nazi.

Keine Anzeige erstattet

Auf Facebook schreibt das Mitglied, das den Vorgang dort veröffentlicht hatte, dass „zwischenzeitlich Anzeige erstattet wurde und entsprechend polizeilich ermittelt wird“. Das bestätigt der Gast nicht: Der Zwischenfall mit dem Wirt sei geklärt, man lasse sich künftig gegenseitig in Ruhe. Auch die Polizei bestätigt auf Anfrage unserer Redaktion, keine Anzeige des Gastes in ihrem System zu haben. (Gay-Aktivist Gilbert Baker im Doodle: Was bedeuten die Farben der Regenbogen-Flagge?)