Ein Artikel der Redaktion

Schwere Zeiten für den Bahnsport Zuschauerschwund beschäftigt Veranstalter

26.06.2013, 17:31 Uhr

Früher kamen mehr als 10000 Menschen zum Grasbahnrennen der AMG Osnabrück in Nahne, inzwischen meist nicht einmal mehr die Hälfte. Die Suche nach den Gründen gestaltet sich schwierig.

Dieter Glatzer weiß es nicht. Da helfen ihm auch die Jahrzehnte der Motorsport-Leidenschaft nicht. Vielleicht sind die sogar hinderlich, wenn es darum geht, zu beschreiben, weshalb in den vergangenen Jahren immer weniger Zuschauer zum Grasbahnrennen kommen. Glatzer kann stundenlang über die Ursprünge des Grasbahnrennens und dessen Helden erzählen, über die Eigenheiten englischer Seitenwagenrennen und die Details der vierzylindrigen Motoren. Was er nicht kann, ist seine Leidenschaft für den Motorsport begreiflich machen. Da fehlen ihm die Worte.

Wie soll er also das Gegenteil erklären? Er versucht es. So wie es das gesamte Vorbereitungsteam des AMG versucht: „Vielleicht sagen viele Stammkunden: ach, das habe ich schon x-mal gesehen und kommen deshalb nicht.“ Wahrscheinlich aber habe sich das Freizeitangebot in den vergangenen Jahren derart drastisch ausgeweitet, dass das Grasbahnrennen nicht mehr erste Wahl sei, mutmaßt Glatzer.

Internationales Flair versprühen heutzutage schon Kreisliga-Fußballclubs und Spektakel gibt es jetzt auch anderswo. Alternativen fressen Zuspruch auf.

Und sie fressen nicht nur in Osnabrück. „Zu den großen Boomzeiten der 80er und 90er Jahre hatten wir 12- bis 13000 Zuschauer“, sagt Werner Schroer. Als Vorsitzender des Rasteder AC organisiert er derzeit das 49. Grasbahnrennen seines Clubs, das am 10. und 11. August läuft. Wenn das Wetter mitspielt und keine Konkurrenzveranstaltung die Besucher umleitet, rechnet er für das Rennwochenende mit maximal 5000 Zuschauern – und das, sagt er, wäre „schon ne Hausnummer“.

Denn in Rastede sind sie seit den Nullerjahren vorsichtig geworden. Um 2000 herum war das Grasbahnrennen am Boden. Nur noch 2500 kamen. Erklären kann Schroer das nicht. Ebenso wenig wie den leichten Anstieg in den zurückliegenden Jahren.

Glatzer und Schroer sind seit Jahrzehnten dabei und wer sie über den Verfall reden hört, der spürt ihre Rat- und Rastlosigkeit. Sie können nicht verstehen, wie es so kommen konnte. Dabei würden sie es doch so gerne. Dann könnten sie gegen den Trend arbeiten und ihrem Bahnrennsport wieder zu neuem Glanz verhelfen. Sie haben es mit Quadrennen versucht und mit einem Familienprogramm, mit Livemusik und Werbung.

„Da ist nichts zu machen“, sagt Kurt Harries. Der Vorsitzende des MSC Schwarme hat aufgehört zu hoffen. Beim MSC-Traditionsrennen, das ins 64. Jahr geht, kam der Bruch bereits früh, in den 80er Jahren. „Von 8000 auf 3000 in einem Jahr. Peng! Kamen die Leute nicht mehr.“ Selbst als sie das erste Rennen der Saison veranstaltet hätten, bei tollem Wetter mit allen internationalen Topfahrern: nichts. Kein Zuschauer mehr. Inzwischen besuchen Jahr für Jahr 2000 bis 3000 das Rennen des MSC. Es gebe eben nur noch eine kleine Gruppe, die der Bahnsport interessiere, sagt Harries. „Die wollen nur Bahnsport sehen, kein Tüdelü nebenbei.“ Und wer tüdelü will, braucht dafür nicht zum Grasbahnrennen.

Viele verstünden sie einfach nicht, erzählt Glatzer. Die fragten sich, was das solle, so ein Lärm, so eine Umweltverschmutzung. Für sie sind die Grasbahnfahrer einfach nur Verrückte. Glatzer muss dann meist die Schultern zucken. Was soll er auch erwidern, er weiß doch selbst nicht, was dran ist, warum ihm dieser Sport auch nach Jahrzehnten noch so viel Glück bedeutet. Ein tolles Grasbahnrennen 2013 sei sein Ziel, sagt Glatzer. Dafür gebe er alles, unabhängig von Zuschauerprognosen und Zukunftsplänen.

Glatzer beschreibt sich damit als Idealisten, als einen, der der Leidenschaft einen Raum gibt: die Grasbahn, das Forum für Motorsport-Verrückte.