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Schüler könnten schon bald Abiturprüfungen im Fach „Darstellendes Spiel“ ablegen Immer mehr Theater an Osnabrücker Schulen

24.03.2012, 16:15 Uhr

An einigen Schulen hat sich das Theaterspielen zum eigenständigen Schulfach entwickelt: „Darstellendes Spiel“ steht dort mittlerweile neben Kunst und Musik auf dem Stundenplan. Teilweise wird sogar schon über Abiturprüfungen im Darstellenden Spiel nachgedacht. Ein Überblick.

Theater im Abitur. Grundsätzlich ist das in Niedersachsen seit 2006 möglich – vorausgesetzt, genügend Lehrer verfügen über eine theaterpädagogische Ausbildung und haben ein eigenes Curriculum für das Fach Darstellendes Spiel an der Schule geschrieben und sich vom Kultusministerium genehmigen lassen. Noch gibt es in Osnabrück keine Schule, die das Fach im Abitur anbietet. Doch das Vorhaben besteht hier und da durchaus.

Zum Beispiel an der Gesamtschule Schinkel. Seit Sommer 2011 gibt es Darstellendes Spiel dort als benotetes Unterrichtsfach für die achten Klassen. „Wir wollen das Fach jetzt nach und nach aufbauen“, sagt Fachlehrerin Rebekka Möller. Soll heißen, dass die achte Klasse, die derzeit als erste das Fach belegt, auch in Klasse neun, zehn, elf und zwölf Darstellendes Spiel belegen kann. Zudem sollten auch alle kommenden achten Klassen die Möglichkeit haben, Theater als kulturelles Fach zu wählen.

Einen Schwerpunkt im Theater-Segment gibt es an der Gesamtschule Schinkel bereits für die Klassen fünf bis sieben. In Theater-Klassen werden die Kinder über drei Jahre unbenotet an das Theaterspielen herangeführt. Hinzu kommen noch drei Theater-AGs. Diese sollten unabhängig vom Schulfach Darstellendes Spiel erhalten bleiben, sagt Rebekka Möller: „Das Theaterspielen soll allen Schülern offenstehen!“ Denn die positiven Effekte, die das Theaterspielen für die Schüler mit sich bringt, seien nicht zu unterschätzen. „Sie trainieren ihr Einfühlungsvermögen, Offenheit und auch Flexibilität“, sagt Möller.

Das unterstreicht auch Margot Johannsmeier vom Ratsgymnasium. Die Leiterin der Theater-AG hat unter anderem Theaterpädagogik studiert und darf Darstellendes Spiel somit auch unterrichten. Sie sehe dieses Unterrichtsfach als wichtige Plattform, auf der sich Schüler auch mal „von einer anderen Seite“ zeigen können: „Kreativität und soziale Kompetenz stehen im Mittelpunkt“, sagt Johannsmeier.

Seit 2011 bietet das Ratsgymnasium einen entsprechenden Grundkurs für Oberstufenschüler an. Er steht in einer Reihe mit Kunst und Musik. Einziger Unterschied: „Wir wollen in den Kurs nur die aufnehmen, die Erfahrungen im Theaterspielen haben oder es wirklich vertiefen wollen“, sagt Johannsmeier. Daher werde in der zehnten Klasse ein halbjähriger verpflichtender Vorbereitungskurs angeboten. Vorläufig solle es bei einem reinen Grundkurs ohne Abiturprüfung bleiben. Man wolle das Fach in der Oberstufe ausprobieren und sich möglichst große Freiheiten lassen. Die würden nämlich schwinden, wenn auf eine konkrete Abiturprüfung hinarbeitet werden muss.

Für das heutige Schulfach Darstellendes Spiel musste die langjährige Theater-AG des Ratsgymnasiums weichen. „Für die Schüler ist auch eine AG sehr zeitaufwendig“, bemerkt Johannsmeier. Rund vier Stunden entfielen jede Woche nachmittags auf die AG. „Uns erschien es sinnvoll, den Schülern diese Zeit auch anzurechnen.“ Zudem sehe sie die Umwandlung als der AG in ein Fach auch als Aufwertung. Für die sechsten Klassen gibt es am Ratsgymnasium nach wie vor eine Theater-AG. In den Jahrgängen sieben bis neun kann Darstellendes Spiel bereits als benoteter Wahlpflichtkurs belegt werden.

Am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium (EMA) gibt es für die fünften und sechsten Klassen einen Theater-Wahlpflichtkurs. „Viele Schüler machen danach in der AG weiter“, sagt Fach-Lehrerin und AG-Leiterin Maja Bitterer. Der Kurs ginge inhaltlich bewusst über eine AG hinaus: „Die Schüler erfinden eigene Szenen und Sketche, es geht nicht nur um das Hinarbeiten auf eine Aufführung.“ Anstelle des Schulfaches steht den Jahrgängen sieben bis zwölf eine gemeinsame Theater-AG offen. Maja Bitterer sieht im Erhalt der großen jahrgangsübergreifenden AG aber auch als Vorteil: „Das ist die einzige Möglichkeit, bei der Schüler mit Schülern anderer Stufen zusammenarbeiten“, sagt sie. Durch die Einführung eines Schulfaches würde dieser Aspekt wegfallen. Wenngleich es natürlich auch einige sehr theaterbegeisterte Schüler gebe, die konkret nach dem Fach fragen.

Am Gymnasium „In der Wüste“ gibt es Darstellendes Spiel im vierten Jahr als Seminarfach in der Oberstufe. Fachlehrerin Dörthe Blömer berichtet von einem „enormen Andrang“ seitens der Schüler. Von einer Abiturprüfung im Darstellenden Spiel ist in der Wüste aber noch keine Rede. Stattdessen stehen den Mittelstufenschülern hier fremdsprachliche Theater-AGs offen.

Bis dato steht das Theaterspielen in der AG-Gruppe auch an der Ursulaschule im Mittelpunkt. Zumindest für die Klassen zehn bis zwölf in der Oberstufe. Als eigenständiges Schulfach wird Darstellendes Spiel momentan der achten und neunten Klasse als Profilbildungsfach angeboten. Kreativität und Fantasie sind schon bei der Konzeption von selbst geschriebenen Szenen gefragt.

Am Carolinum, an der Angelaschule und am Graf-Stauffenberg-Gymnasium spielen die Schüler bislang ausschließlich in AGs Theater. Eine Tendenz ist doch auch hier zu beobachten: Die Größe der AGs und die Nachfrage der Schüler nehmen zu.