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Schrammelblues und Schunkelgut Bad Temper Joe zum besten Singer/Songwriter gekürt

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 26.02.2016, 14:53 Uhr

Das Finale des Singer/Songwriterslam 2015/16 in der Lagerhalle überraschte mit stilistischer Vielfalt und überwiegend deutschen Texten. Dennoch durfte Bad Temper Joe den begehrten Pokal mit nach Hause nehmen: Der junge Bluesbarde aus Bielefeld singt authentisch Englisch.

Der „Schleusenwärter aus Wanne-Eickel“ hat es dem Publikum angetan. „Ich habe es genau gesehen, ihr habt geschunkelt“, ruft Moderator Andreas Weber, als er die Bühne betritt, um das Urteil der Publikumsjury über den Song abzufragen, den Helmut Sanftenschneider gerade gesungen hat. Sein „melodramatisches Schunkellied über einen seltenen Beruf im Ruhrgebiet“ animiert die Zuschauer im Saal der Lagerhalle tatsächlich zu seligem Hin- und Herwiegen. Und es bringt dem Sänger aus Herne eine gute Wertung ein, die ihn ins Finale des Finales katapultiert.

Denn so ist der Sängerwettkampf strukturiert: Zehn Teilnehmer, die sich in den Vorrunden qualifizieren konnten, singen einen Song, die Juroren, die zuvor von Weber ausgewählt wurden, verteilen Punkte von 1 bis 10. Die fünf besten Musiker stellen sich dann nach der Pause mit einem weiteren, selbst geschriebenen Song dem Urteil des Publikums und machen so den Gewinner unter sich aus.

Als hätten sich die Finalisten abgesprochen, werden in der Endrunde nur nachdenklich-besinnliche Balladen vorgetragen. So singt Sanftenschneider jetzt über die Erkenntnis, dass jeder Mensch individuell ist, Nicolai Schwab unterfüttert sein gesungenes Liebesdrama mit wohlgesetzten Pianotönen, Alexander Peppler aus Berlin lässt sein Seemannslied von einer Wind- und Wetter-Geräuschkulisse aus dem Publikum illustrieren und Miss Ellie aus Lüneburg, eine der wenigen Frauen, die es ins Finale geschafft haben, singt sanft bis wütend über das Kindsein.

Nach der Gesamtwertung zeigt sich allerdings, dass der 23-jährige Musiker, der als Bad Temper Joe auf Blues-Mission ist, das Rennen macht. Seine mit rauer Stimme gesungene Annäherung an Folk, Country, Americana und Urblues, die er authentisch mit einer Weissenborn-Lapsteel-Gitarre auf dem Schoß begleitet, kann die meisten Punkte einheimsen. So zeigt sich, dass Kontinuität und Hartnäckigkeit auch im Musikgeschäft Früchte tragen kann. Im vergangenen Jahr hatte er bereits am Songslam teilgenommen und war auf dem zweiten Platz gelandet. Doch das reichte dem Mann mit dem obligatorischen Hut nicht. Also meldete er sich wieder für den Contest an. Zwischendurch nahm er ein neues Album auf: „Double Trouble“, gerade erschienen, enthält zehn Songs, die dem Zwölftaktgewerbe eine frische Brise verpassen. Unter anderem mit „If Tears Were Diamonds“, einer Ballade, mit der Bad Temper Joe auch in der Lagerhalle beeindruckt. Cool.