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Schläger vor Landgericht Osnabrück Landgericht: Prügel für Exhibitionist keine Notwehr

Von Rainer Lahmann-Lammert | 08.05.2014, 18:33 Uhr

Die Vorstellung, dass ein Triebtäter die eigene Tochter belästigen könnte, lässt manche Menschen ausrasten. An der Meller Straße wurde ein 40-jähriger Mann in einem Akt von Selbstjustiz verprügelt. Der Schläger berief sich auf Notwehr, doch damit kam er nicht durch. Wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilte ihn das Landgericht in zweiter Instanz zu einer Bewährungsstrafe.

Die Nachricht verbreitete sich an jenem 15. April 2013 von Mund zu Mund und von Handy zu Handy: Ein Exhibitionist habe sich vor zwei jugendlichen Mädchen entblößt. Der Vater einer 16-jährigen Tochter fackelte nicht lange. Gerade aus einem Nickerchen erwacht, stürzte er aus dem Haus und setzte dem mutmaßlichen Unhold mit Pfefferspray und der Faust zu, bis dieser im Hof zusammensackte. Im ärztlichen Befund ist von einem Monokelhämatom und einer Augapfelprellung die Rede – und einem Blutalkoholwert von 1,8 Promille.

Der Alkohol scheint beim Tathergang eine maßgebliche Rolle zu spielen. Mehrere Zeugen haben gesehen, dass der Mann in betrunkenem Zustand mit seinem elfjährigen Sohn von der Wohnung zu einer nahe gelegenen Pizzeria gezogen war. Aber auch, dass er Passanten anpöbelte und seinem Filius immer wieder Backpfeifen verpasste. Was der Vater als harmlose „Kalberei“ darstellte, empörte zwei Mädchen im Alter von 17 und 15 Jahren, die beim Prospektverteilen auf ihn aufmerksam geworden waren.

Der vom Alkohol benebelte Mann beleidigte die Schülerinnen, zeigte ihnen den ausgestreckten Mittelfinger und lüftete offenbar für kurze Zeit sein Geschlechtsteil. Ein Triebverbrechen? Nach den Umständen der Tat wohl eher eine Beleidigung. Das Amtsgericht hat den 40-jährigen Störenfried einige Wochen später zu 40 Tagessätzen à 60 Euro verurteilt. Damit war dessen Vergehen zwar geahndet, nicht jedoch der Akt von Selbstjustiz, dem er sein blaues Auge verdankte.

Der Schläger, ein 50-jähriger Türsteher und Staplerfahrer, ließ vor der Kammer kein Unrechtsbewusstsein erkennen. Der Trunkenbold, machte er geltend, habe seiner 16-jährigen Tochter an der Bushaltestelle den Weg versperrt und ihm, dem Vater, Prügel verpassen wollen.

Mehrere Zeugen haben aber bestätigt, dass der selbst ernannte Rächer im Hinterhof zugeschlagen hat und nicht an der Bushaltestelle. Nach Auffassung des Gerichts war damit die Notwehr-These des Angeklagten widerlegt und das Urteil aus erster Instanz angemessen: Sieben Monate auf Bewährung und eine Zahlung von 1500 Euro an die UNO-Flüchtlingshilfe wegen gefährlicher Körperverletzung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.