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Schätze aus der Stadtbibliothek (2) „S’Brünneli isch verstopft“

Von Karsten Frei | 26.07.2014, 16:14 Uhr

In unserer wöchentlichen Sommerserie „Schätze aus der Stadtbibliothek“ nehmen uns die Bibliothekare der Einrichtung am Markt mit auf eine Entdeckungsreise zwischen historischen Kostbarkeiten und Kuriositäten aus dem Literaturbetrieb. Diesmal stellt Bibliotheksleiterin Martina Dannert etwas vor, was Büchereibesucher wohl nur zufällig entdecken: die Audio-CD „Schwyzerdütsch mit the Grooves“.

„Äxgüsi, aber es hätt kä warm Wasser und s’Brünneli isch verstopft. S’Feischter gaat nöd rächt zue, es ziät wie-n-e Moore und ich chume de Pfnüsel über.“

Während der Kabarettist Emil Steinberger diese Sätze spricht, sind im Hintergrund jazzige Gitarrensounds, Kuhglocken, Alphörner zu hören. Klingt nach Poetry-Slam, ist aber tatsächlich ein Sprachkurs – für Schweizerdeutsch. „Schwyzerdütsch mit The Grooves – Local Grooves mit Emil Steinberger“ heißt die Audio-CD, mit der sich der Aufenthalt in der benachbarten Alpenrepublik vorbereiten lässt. Und die sich – nach einigem Suchen – in der Stadtbibliothek Osnabrück versteckt.

Doch noch geht kaum jemand auf dieses Angebot ein, berichtet Bibliotheksleiterin Martina Dannert. „Bisher war hier noch niemand, der gesagt hat, ich möchte Schweizerdeutsch lernen.“ Und so muss man eher zufällig über die CD im Regal mit den Deutsch-Lehrbüchern stolpern, um auf dieses Kleinod zu stoßen. Wer dieses Kunststück aber dennoch schafft, den erwarten eine Stunde und 13 Minuten Unterhaltung. „Man kann auch reinhören, wenn man die Sprache nicht spricht oder lernen will“, sagt Dannert, „sondern auch einfach nur um Spaß an dieser Sprache zu haben.“ Zwar sei die Audio-CD wie ein Sprachkurs aufgebaut, „aber man hört es doch besser mehr zur Gaudi an.“ Zumindest im mehrere Hundert Kilometer von der Schweiz entfernten Norddeutschland.

Die Sprachlehrkurse mit „The Grooves“ gibt es in mehreren Sprachen, aber auch in Mundart. Tatsächlich lassen sich so viele Sprachen lernen, zumindest in Grundzügen. Wichtiger aber sei der unterhaltsame und einfache Einstieg in das Lernen, der Lust macht, mehr über die so schmunzelnd präsentierte Sprache zu erfahren, findet Dannert.

Auch, aber nicht nur deshalb hat sie den Sprachkurs zum Hören in Schweizerdeutsch für die Stadtbibliothek angeschafft. „Ich wollte die Reihe damit komplett machen, weil sie mir so gut gefällt“, sagt die Büchereileiterin. Besonders die CD mit bayrischer Mundart habe sie auf langen Autofahrten gut unterhalten, werden in der Reihe doch stets skurrile, aber nie plumpe Gegebenheiten aus dem Alltag erzählt „Und das Schöne ist: Es sprechen immer Muttersprachler, richtige Bayern, Wiener oder Schweizer.“ Vor allem, wenn diese in breitestem Dialekt zu fluchen anfangen, kann sich der Hörer ein Lachen kaum verkneifen.

Und so kann Dannert sprachinteressierten Büchereibesuchern nur empfehlen, einmal reinzuhören in diese Reihe . Auch wenn sie selbst beim Hören „kein Wort Schweizerdeutsch gelernt“ habe. Trotz der auf jeden schweizerdeutschen Satz folgenden hochdeutschen Variante. Für deren Vertonung zeichnet der Schauspieler Dieter Brandecker verantwortlich, der dem Zuhörer mit ruhiger Stimme die hochdeutsche Übersetzung liefert. So auch bei der eingangs auf Schweizerdeutsch wiedergegebenen Beschwerde bei einem Hotelrezeptionisten, deren deutsche Übersetzung auch hier nicht fehlen soll: „Entschuldigung, aber es gibt kein warmes Wasser, und das Waschbecken ist verstopft. Das Fenster schließt nicht richtig, es zieht wie Hechtsuppe, und ich bekomme einen Schnupfen.“