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Sanktionen treffen Unternehmen im Kreis Osnabrück Grimme, Diosna und Co. fürchten Einbruch des Russlandgeschäfts

Von Jean-Charles Fays | 18.03.2014, 15:09 Uhr

Viele Unternehmen im Landkreis Osnabrück spüren die Auswirkungen der Krim-Krise. Der Landmaschinenbauer Grimme verzeichnet Stornierungen und befürchtet einen Umsatzeinbruch in Millionenhöhe, wenn sich die Sanktionen der EU noch weiter verschärfen. Auch der Osnabrücker Maschinenbauer Diosna erwartet im kommenden halben Jahr eine starke Lähmung des Geschäfts.

Der Prokurist bei Diosna , Benno Brink, berichtet von frustrierten Mitarbeitern im seit fast 20 Jahren bestehenden Moskauer Diosna-Büro, die bereits nach Urlaub fragen, weil die Geschäfte so schleppend laufen. „Moskau ist unser größter Exportmarkt, doch die Kunden sind verunsichert, weil sie nicht wissen, wie die russische Regierung auf die Sanktionen der USA und der Europäischen Union reagiert.“ Zudem mache der starke Währungsverfall des Rubels die Maschinen von Diosna für russische Brotfabriken und Bäckereien sehr teuer. Brink sagt deprimiert: „Wir blicken bleich, aber gefasst in die Zukunft.“ Der nächste Gradmesser sei die Moskauer Messe „Modern Bakery“ im April. Das Geschäft in der Ukraine sei fast zum Erliegen gekommen. Zurzeit bangt Brink um einen bereits angezahlten Auftrag für eine Maschine, die nach Sewastopol, die größte Stadt der ukrainischen Halbinsel Krim, geliefert werden soll. Kompliziert könnte bei dieser Lieferung auch der Transport werden, weil in der Ukraine andere Einfuhrbedingungen als in Russland gelten.

Nachdem sich die Bürger der Krim in einem Referendum für einen Beitritt zu Russland ausgesprochen haben, betrachtet der russische Präsident Putin die Krim als Teil Russlands ( mehr dazu im NOZ-News-Ticker ). Der Westen reagiert mit Sanktionen. Die EU einigte sich auf eine Liste von 21 Russen und Ukrainern , gegen die Einreiseverbote und Kontensperrungen verhängt werden. In einer nächsten Stufe hatte die EU Moskau allgemeine wirtschaftliche Sanktionen angedroht.

Genau diese weitere Sanktionsstufe fürchtet der Landmaschinenbauer Grimme , der neben den Werken in Damme und im Niedersachsenpark in Neuenkirchen-Vörden auch eine Fabrik in Detschino 120 Kilometer südwestlich von Moskau betreibt. Der Pressesprecher Jürgen Feld befürchtet für Grimme Umsatzeinbußen in Millionenhöhe, weil mehr als zehn Prozent der Landmaschinen in Russland verkauft werden und der Jahresumsatz dort normalerweise bei mindestens 30 Millionen Euro liege. Beim Verkauf der Frühjahrstechnik habe es bereits erste Stornierungen gegeben. Das bezeichnet Feld als „schlechte Vorboten“ für den späteren Verkauf der Erntetechnik. Daher hofft er, „dass alle Akteure sich besinnen, damit es zu einem baldigen Ende der politischen Unwägbarkeiten kommt“.

Das Beispiel des Landmaschinenbauers Strautmann aus Bad Laer zeigt, dass die Unternehmen, die weniger nach Russland exportieren, gelassener bleiben. Der Export-Chef Hubert Pöhler erklärt, dass das Russlandgeschäft nur etwa ein Prozent des Gesamtumsatzes ausmache. „Deshalb bleiben wir ganz ruhig, reduzieren die Erwartungen und Planungen und sehen das insgesamt nicht so dramatisch.“

Der Landmaschinenbauer Amazone aus Hasbergen, der erst im vergangenen Jahr ein Produktionswerk im russischen Samara übernahm, wollte die Auswirkungen der Krim-Krise auf die aktuellen Umsatzzahlen nicht kommentieren. Wie sich die Lage nach den beschlossenen Strafen gegen Russland verändere, lasse sich noch nicht absehen, sagte Marketing-Chef Dirk Brömstrup. „Natürlich werden wir die weiteren Entwicklungen sehr genau beobachten.“

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) erklärte, dass die Wirtschaftsbeziehungen der Unternehmen im gesamten IHK -Bezirk Osnabrück, Emsland und in der Grafschaft Bentheim nach Russland „bisher noch überwiegend normal“ verlaufen. Die für Ende Juni geplante Delegationsreise in die russischen Städte Moskau und Twer soll weiterhin stattfinden und finde gute Resonanz bei den Unternehmen. Allerdings warnte der IHK-Hauptgeschäftsführer Marco Graf, dass eine weitere Verschärfung der Krise Vertrauen zerstören könnte: „Insbesondere Wirtschaftssanktionen sind aus unserer Sicht nicht geeignet, um den Konflikt zu lösen.“ Die wirtschaftliche Verflechtung der mehr als 200 Unternehmen aus dem IHK-Bezirk in Russland sei „Chance und Verpflichtung zu einer friedlichen Einigung“.