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Rüge für diktatorischen Stil Osnabrücker AfD-Chef kritisiert AfD-Landeschef

Von Jean-Charles Fays | 17.01.2017, 20:12 Uhr

Der Machtkampf in der AfD spitzt sich zu. Der Osnabrücker AfD-Chef wirft dem Landeschef der AfD einen diktatorischen Stil vor, weil er kurzfristig einen „Alles-antreten-Termin“ für den 18. Januar mit den AfD-Kreisverbänden in der Stadt und im Landkreis Osnabrück anberaumt und gefordert habe, andere Termine abzusagen.

In einem Schreiben des Osnabrücker AfD-Vorsitzenden Christopher Jahn, das an die 30 Mitglieder des AfD-Stadverbandes Osnabrück gerichtet ist und unserer Redaktion vorliegt, heißt es: „Wir sind hier nicht beim Militär, wo für einen spontanen Truppenbesuch eines Ranghohen alles stehen und liegen gelassen wird.“ Jahn, der noch studiert, seinen Lebensunterhalt aber als Reserveoffizier bei der Bundeswehr verdient, weist auf seine eigenen beruflichen Erfahrungen hin und sagt, „dass selbst beim Militär Rücksicht auf die Belange untergeordneter Ebenen genommen wird“. Gerade bei einer kleinen Partei sei das Einhalten gewisser Spielregeln für ein vertrauensvolles Miteinander elementar. „Das Durchführen von Terminen vorbei an den Terminentscheidungen von Kreisvorständen ist respektlos gegenüber den betroffenen Kreisverbänden. Ich weise in diesem Zusammenhang darauf hin, dass nicht alle Mitglieder des Landesvorstands das unterstützen“, betont Jahn in dem Schreiben.

Autoritärer und diktatorischer Armin Paul Hampel

Vor Jahn hatte bereits der Vorsitzende des ostfriesischen AfD-Kreisverbandes, Holger Pieters, dem niedersächsischen Landesvorsitzenden Armin Paul Hampel vorgeworfen, autoritär und diktatorisch zu sein. Pieters ist nach einem parteiinternen Machtkampf aber am vergangenen Wochenende von allen Ämtern und Vorstandsaufgaben zurückgetreten.

Hampel gegen AfD-Neujahrsempfang am 20. Januar

Jahn erklärt, Hampel habe zudem einen Neujahrsempfang des AfD-Stadtverbandes am 20. Januar „zur Disposition gestellt“, erklärt Jahn. So habe Hampel zwei Redner, die auch Mitglied des AfD-Landesvorstandes sind, gebeten, ihre Zusagen für diese Veranstaltung zurückzuziehen. Jahn kommentiert auf Anfrage unserer Redaktion: „Das ist nicht unbedingt Ausdruck eines kooperativen Miteinanders.“ Die Redner folgten der Anweisung des AfD-Landeschefs, Einwände von Jahn und dem Vorsitzenden des Kreisverbandes für das Osnabrücker Land, Matthias Linderkamp, seien ignoriert worden und alle Mitglieder der beiden Kreisverbände seien gegen den Willen von Jahn und Linderkamp für den Termin am 18. Januar zu einem „informellen Treffen“ mit Hampel eingeladen worden. Hampel selbst habe einen entsprechenden Raum dafür reserviert. Ungeachtet dessen will Jahn den Neujahrsempfang am 20. Januar weiter ausrichten. Das Mitglied des AfD-Landesvorstandes Jens Krause habe sich bereit erklärt, den Vortrag im Rahmen des Neujahrsempfangs zu übernehmen.

Hampel forderte, alle Termine um den 18. Januar abzusagen

Hampel habe Jahn und Linderkamp in einer E-Mail am 10. Januar aufgefordert, alle Termine rund um den 18. Januar abzusagen. Neben dem Neujahrsempfang am 20. Januar sei auf den Stammtisch für neue Interessierte für den AfD-Kreisverband Osnabrück-Land am 19. Januar hingewiesen worden. Jahn habe Hampel hingegen mitgeteilt, dass er und andere Mitglieder des Landesvorstandes am 28. Januar der Aussprache der Kreisverbände und den anschließenden Kreisparteitagen sehr gerne beiwohnen könnten.

Vorwürfe gegen Osnabrücker AfD-Chef Jahn

Vier Mitglieder des AfD-Stadtverbandes hatten zuvor die Fusion der für Stadt und Landkreis Osnabrück zuständigen Kreisverbandes beantragt. Darüber soll in Sonderparteitagen am 28. Januar in getrennten Abstimmungen entschieden werden. Die Mitglieder hatten es zudem als Skandal bezeichnet, dass bei der Kommunalwahl in der Stadt Osnabrück in keinem einzigen Wahlbezirk ein AfD-Kandidat angetreten ist. Sie hatten Jahn dafür verantwortlich gemacht, dass die AfD in Osnabrück nur 30 Mitglieder habe, weil er sehr häufig gar nicht vor Ort sei. Jahn finde diese Vorwürfe bedauerlich, weil er etwa auf E-Mails immer sehr zeitnah reagiere und betont: „Wenn man Vorwürfe hat, dann muss man gucken, ob diese lösbar sind, wenn man die Personen austauscht.“ Wenn aber die Mehrheit in seiner Partei seinen Rücktritt fordere, dann werde er sich dieser Meinung fügen.

„Wieso eilt es Hampel gerade jetzt derart?“

In seinem Schreiben an die Kreisverbandsmitglieder betont Jahn: „Warum Herr Hampel die Mitglieder ausgerechnet jetzt so kurzfristig treffen möchte, könnte nur mit einem gewissen Anteil Spekulation beantwortet werden.“ An einer Nachbesprechung des natürlich unbefriedigenden Kommunalwahlergebnisses habe Hampel in den zurückliegenden Monate kein direktes Interesse gezeigt, wobei sein Kreisverband eine solche jederzeit gerne mit ihm durchgeführt hätte. Daher stellt Jahn die Frage: „Wieso eilt es also gerade jetzt derart?“

„Nur freundlich darum gebeten, einen Stammtisch abzusagen“

Hampel sagte unserer Redaktion: „Ich habe nur freundlich darum gebeten, einen Stammtisch abzusagen.“ Zu dem Treffen am 18. Januar habe er eingeladen, um gemeinsam das Kommunalwahlergebnis zu reflektieren und die entsprechenden Lehren daraus zu ziehen.

Keine Stellungnahmen von Linderkamp und Krieger

Der Chef des Kreisverbandes für das Osnabrücker Land, Matthias Linderkamp, wollte Hampels überraschenden Besuch und die Aufforderung zu den Terminabsagen auf Anfrage unserer Redaktion ebenso wenig kommentieren wie der Chef der AfD-Fraktion im Kreistag, Martin Krieger.

Drohung mit Parteiausschluss

Das Schreiben an die Mitglieder beschließt Jahn mit den Worten, dass es kürzlich eine „unautorisierte Weitergabe von internen Dokumenten“ an unsere Redaktion gegeben habe. Er schreibt weiter: „Es handelt sich bei dieser E-Mail um eine Mitgliederinformation über den Mitgliederverteiler des AfD Kreisverbands Osnabrück Stadt, deren Inhalt nur für die Adressaten (Mitglieder) bestimmt ist. Sie enthält parteiinterne Schilderungen, deren unautorisierte Weitergabe an parteiexterne Personenkreise oder Organisationen sowie unautorisierte Selbstveröffentlichung zum Schaden für die Partei sein kann. Parteischädigendes Handeln kann Ausschlussverfahren nach sich ziehen. Wenden Sie sich bei Fragen bitte an den Kreisvorstand.“