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Rüge der Bürgermeister Kritik an Funklöchern im Osnabrücker Land

Von Jean-Charles Fays | 04.09.2017, 14:14 Uhr

Bürgermeister und Landkreis schlagen Alarm, weil es in der Region gerade in ländlich geprägten Gebieten viele Funklöcher gibt. Die mangelnde Mobilfunkversorgung steht besonders wegen des „Sicherheitsrisikos“ in der Kritik, weil in den Gebieten keine Notrufe abgesetzt werden könnten.

Der Erste Kreisrat Stefan Muhle sieht dringenden Handlungsbedarf und erklärt: „Die besondere Problematik des ländlichen Raumes bei der Breitbandversorgung zeigt sich darin, dass die Gebiete, die bisher kein schnelles Internet über Kabel erhalten, auch über keine akzeptable Mobilfunkversorgung verfügen.“ Der ländliche Raum sei hier gegenüber den städtischen Ballungsgebieten doppelt benachteiligt.

Eine Analyse des Netz-Testers „Open Signal“ zeigt, wie schlecht der Handy-Empfang gerade in besonders ländlich strukturierten Bereichen des Osnabrücker Lands ist. Die Bürgermeister der besonders betroffenen Kommunen bestätigen die Ergebnisse des Netz-Testers zur Mobilfunkversorgung.

Probleme in Tälern des Wiehengebirges

Der Bad Essener Bürgermeister Timo Natemeyer spricht von Problemen in den Bad Essener „Tälern“ im Wiehengebirge, etwa in der Bergstraße, Rattinghauserberg und Huntetal. Der Bohmter Bürgermeister Klaus Goedejohann erklärt: „Nur da, wo der Wettbewerb es nicht für lukrativ hält, kann die kommunale Familie ein wenig reparieren.“ Er würde sich eine gesamtstaatliche Initiative und Strategie bei der digitalen Versorgung auch der ländlichen Räume sehr wünschen. Ergebnisse aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass mit einem solchen Schulterschluss aller Akteure auch Autobahnen wie die A31 im Emsland gebaut werden können. „Wenn das möglich ist, warum dann nicht auch Daten- und Mobilfunkautobahnen?“, fragt Goedejohann.

Erster Kreisrat fordert zusätzliche Mobilfunkstandorte

Der Erste Kreisrat Muhle geht auf das Problem ein, dass sich alle Mobilfunk-Nutzer in einer Funkzelle die verfügbare Bandbreite teilen müssen: Je mehr Nutzer in einer Funkzelle, desto geringer die Bandbreite für den einzelnen Nutzer: „In den dünner besiedelten Gebieten kommt hinzu, dass die Funkzellen regelmäßig sehr große Flächen abdecken.“ Die Versorgung könne nur verbessert werden, wenn zusätzliche Mobilfunkstandorte geschaffen werden und damit die Funkzellen auch im ländlichen Raum verkleinert werden. In der Vergangenheit sei die Einrichtung neuer Mobilfunkstandorte vereinzelt am Widerstand der Bevölkerung gescheitert. Das deutlich größere Problem sieht Muhle aber bei den Mobilfunkanbietern: „Wegen des geringeren Kundenpotenzials investieren die Anbieter kaum im ländlichen Bereich.“

Der Landkreis versuche mit den drei Anbietern, die die LTE-Frequenzen ersteigert haben, ins Gespräch zu kommen. Die Anbieter reagierten aber „sehr zurückhaltend“ auf den Gesprächswunsch. Die Landkreise hätten sich im Bezirk Weser-Ems zu einer „Mobilfunkinitiative“ zusammengeschlossen. Es wurde ein Planungsbüro beauftragt, eine Untersuchung durchzuführen. Darin soll der Ausbaustand und die Qualität der Mobilfunknetze erhoben werden. Das Datenmaterial wird mit den Ausbauplanungen des Landkreises beim Breitbandausbau abgeglichen.

Bau von Funkmasten muss förderfähig werden

Mit seiner Infrastrukturgesellschaft Telkos will der Kreis die Glasfaserleitungen in den kommenden Jahren immer weiter in die Fläche bringen: „Dieses Glasfasernetz soll dann auch für den Mobilfunk genutzt werden, da Mobilfunkstandorte Glasfaseranbindungen benötigten, um den Datenverkehr zu transportieren. Hier sehe ich große Synergieeffekte“, erläutert Muhle.

Vom Bund fordert er, das Förderprogramm für den Breitbandausbau zu erweitern: „Es ist notwendig, dass auch der Bau von Funkmasten förderfähig ist.“