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Richterbüros jetzt groß genug Osnabrück: Das Sozialgericht zieht an die Hakenstraße

Von Désirée Therre | 20.07.2012, 17:03 Uhr

Auf dem Flur steht ein Kühlschrank, auf Sackkarren bringen Umzugshelfer vollgepackte Kartons. Die 50000 Akten aus dem Archiv wurden bereits vergangene Woche in fast 900 Kartons hergebracht. In dieser Woche ist das Sozialgericht von der Straße An der Petersburg in die Hakenstraße 15 gezogen.

In dem denkmalgeschützten Haus soll ein Fachgerichtszentrum entstehen. Das Verwaltungsgericht und das Arbeitsgericht sind bereits dort. Die rund 45 Mitarbeiter des Sozialgerichts werden bald im dritten und vierten Stock über Fälle der Sozialhilfe entscheiden, die die Hauptarbeit des Gerichts ausmachen. Planmäßig sollten am Freitag die PCs angeschlossen werden. Am 25. Juli soll dann wieder reibungslos gearbeitet werden. Im Erdgeschoss sind vier Sitzungssäle mit Beratungszimmern geplant. Im größten der Sitzungssäle mit gut 60 Quadratmetern sei dann auch Platz für Presse und Zuschauer. „Das sind dann im Wesentlichen große Spektakel des Verwaltungsgerichts„ so Wolfgang Ruff, Direktor des Sozialgerichts.

In den Sitzungsräumen soll es kein Podest mehr für den Kläger oder Angeklagten geben, und die Richter werden nicht mehr hinter einem erhöhten Tisch sitzen. „Wir begeben uns auf Augenhöhe“, sagt Ruff.

Im Büro des Direktors wird gerade der Schrank aufgestellt. Ein paar Türen weiter räumt Mitarbeiterin Christel Hoedt Akten in Hängeschränke. Seitdem sie gemerkt hat, dass der Bus 41 sie direkt von zu Hause zur Arbeit bringt, freut sich auch die dienstälteste Servicemitarbeiterin umzuziehen. Es wurde auch Zeit: „Wir hatten Richter in schmalen Handtuchzimmern untergebracht“, sagt Ruff. Nachdem letztes Jahr der Mietvertrag An der Petersburg auslief, sei der Umzug eine „glückliche Fügung“. Denn nach der Einführung von Hartz IV habe sich die Belastung verdoppelt.

Bei dem Haus aus den 50er-Jahren – das Vordach mit bunten Mosaiksteinen besetzt, die Treppe Anschauungsobjekt von Architekturstudenten – müssen hohe Auflagen des Denkmalschutzes eingehalten werden.

Das Bullaugenfenster, der Pförtnerloge müsse vergrößert werden, damit der Eingangsbereich eingesehen werden könne, so Ruff. Am liebsten wäre ihm eine große, verglaste Fläche. Doch laut Denkmalschutzvorschriften soll rund ziemlich rund bleiben. Jetzt wird aus dem Bullauge ein größeres Oval.

„Sicherheit ist ein heißes Thema, seitdem zunehmend Gewalttaten in Gerichten stattfinden“, so Ruff. Im Fachgerichtszentrum sei noch zu wenig Personal dafür vorgesehen und auch keine weibliche Wachperson angestellt. „Da müssen wir fragen, ob die uns vom Landgericht Unterstützung geben“, sagt Wolfgang Ruff. Geplant ist auch noch eine Glaswand, die die oberen Stockwerke von der Eingangshalle abtrennt. „Viele tragen ein Messer bei sich, das zeigen die stichprobenartigen Kontrollen“, so Ruff. Am Sozialgericht seien aber noch keine größeren gewalttätigen Vorfälle passiert. Irgendwann, wenn alle Kisten ausgepackt sind, sollen aber noch Kameras installiert werden.