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Remarque-Friedenspreisträger bei Soiree vorgestellt Die Zeichen der Zeit erkannt

Von Anne Reinert | 09.09.2011, 14:48 Uhr

Von Tahar Ben Jellouns „Papa, was ist ein Fremder“ hat wohl jeder mal gehört. Das 1997 erschienene Kinderbuch wurde international bekannt und von der UNESCO prämiert. Am Freitag kommender Woche wird ihm der Erich-Maria-Remarque-Friedenspreis der Stadt Osnabrück verliehen.

Bei einer Soiree im Remarque-Friedenszentrum am Markt stellten Prof. Wolfgang Asholt vom Fachbereich Romanistik der Uni Osnabrück sowie Autorin und Jury-Mitglied Jutta Sauer das Leben und umfangreiche Werk des 1944 in Marokko geborenen Autors vor. Einstimmig hatte die Jury für den „bedeutendsten Vertreter der französischsprachigen Literatur des Maghreb“ gestimmt, erklärte Jutta Sauer. Schließlich richte sich seine Literatur gegen Rassismus und werbe für Toleranz und Verständnis zwischen den Kulturen. Nicht zuletzt „das hohe literarische Niveau“ habe die Jury aber überzeugt.

Einen Eindruck von Ben Jellouns Werk vermittelte die Soiree mit Ausschnitten aus drei Büchern, die Asholt auf Französisch und Sauer auf Deutsch vortrugen. Diese Titel hätten „exemplarisch im Fokus der Jury“ gestanden, so Jutta Sauer. Besonders stolz ist sie, dass in die Auswahl auch die Publikation „Arabischer Frühling“ gehört. Der Essay-Band, in dem Tahar Ben Jelloun Erklärungsversuche zu den Ereignissen in Nordafrika am Jahresanfang gibt, ist im Frühjahr auf Deutsch erschienen – zwei Monate, bevor er in Frankreich auf den Markt kam. „Man kann wohl sagen, dass der deutsche Verlag die Zeichen der Zeit eher erkannt hat“, erklärt Wolfgang Asholt. Die Remarque-Jury hatte Tahar Ben Jelloun übrigens schon vor Erscheinen des Buches als Preisträger ins Auge gefasst. Außerdem lasen Asholt und Sauer aus „Verlassen“ und „Zurückkehren“. In beiden Büchern geht es um Migrationsschicksale.

1971 emigrierte Tahar Ben Jelloun nach Frankreich und veröffentlichte dort 1973 seinen ersten Roman. 1987 bekam er für „Die Nacht der Unschuld“ den Prix Goncourt, den renommiertesten Literaturpreis Frankreichs.

Osnabrück, Schlossaula: Diskussionsrunde mit Tahar Ben Jelloun am Donnerstag, 19 Uhr. Karten: Remarque-Friedenszentrum oder in der Tourist-Information.