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Release-Konzert in Osnabrück Solide: Fenster Auf Kipp in der Kleinen Freiheit

Von Matthias Liedtke | 23.12.2015, 17:33 Uhr

Dass auch im hiesigen Landkreis solider und eigenständiger Indie-Rock produziert werden kann, bewies das Quintett Fenster Auf Kipp aus Ostercappeln-Venne im Rahmen eines EP-Release-Konzerts in der wohl vornehmlich mit Freunden, Bekannten und Verwandten voll gefüllten Kleinen Freiheit.

Auch musikalische Freunde hatten die fünf „Rock in der Region“-Gewinner um Lead-Sänger Michael Stockhowe eingeladen. Dabei beendete Lokalmatador Elektro Strothmann seinen Aufwärm-Gig hinter rockiger Sonnenbrille augenzwinkernd mit dem heimlichen Hit „Miss Landkreis“ und schuf damit immerhin ein gewisses Identifikationspotenzial. Dem Osnabrücker Quartett Therapiezentrum gelang es im Anschluss leider nicht, den Funken überspringen zu lassen. So sehr sich Power-Frontfrau Gianna Niemeyer mühte: Ihre Animationsversuche liefen eigentümlich ins Leere und der ambitionierte Polter-Rock ihrer Band verpuffte eher im Publikum statt ihm einzuheizen.

Zum Schwitzen

Die Band, um die es ging, brachte dagegen ihre Fans ihrem Namen zum Trotz gleich von Beginn an zum Schwitzen. Mit gradlinigem deutschsprachigen Party-Rock überzeugten Fenster Auf Kipp ein Dutzend Songs lang. Von den rauen Felsen von „Gibraltar“ führte die rockige Reise dabei geradeaus nach „Zuhaus“ - der aktuellen, äußerst melodiösen Mitsing-Single, mit der die Landkreis-Helden nach kurzer Umkleidepause in Pullundern und im blassen Licht der auf der Bühne verteilten Stehlampen Heimatgefühle erweckten. Gut gewählt schien es da, dass sie unmittelbar danach mit dem Ärzte-Cover „Schrei Nach Liebe“ unmissverständlich Position gegen Nazis bezogen.

Neue Klangfarbe

Nicht minder dramaturgisch klug waren der Auftritt von Gasttrompeter Lars, der bei „Rapunzel“ für eine neue Klangfarbe sorgte, und die Ballade „zum Runterkommen“ am Schluss: Zunächst rein akustisch vorgetragen, dann aber mit einem schönen Spannungsbogen sukzessive musikalisch verdichtet. Entbehrlich schien dagegen das folgende, dumpfe Turbostaat-Cover. Dass sie es selbst mindestens genauso gut können, bewiesen Fenster Auf Kipp mit zwei überzeugenden Zugaben. Der EP-titelgemäße „Zeitsprung“ in „Semester 6“ wurde dabei unter Konfettiregen von einem „Raumsprung“, sprich: Stagediving von der Bühne ins Publikum begleitet. Sicher nicht das letzte Kapitel der noch jungen Bandgeschichte. Das Potenzial für noch einige weitere Semester ist jedenfalls vorhanden.