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Rebers und seine Strapsmaus „Islamistenpolka“ bringt Stimmung in die Lagerhalle Osnabrück

Von Tom Bullmann, Tom Bullmann | 19.02.2017, 19:11 Uhr

Kabarettist Andreas Rebers präsentierte in der Lagerhalle sein aktuelles Programm „Amen“. Böse Satire und schwarzer Humor ließen manchen Lacher in der Kehle versiegen.

Hat der Mann da gerade „Strapsmaus“ zu seinem Akkordeon gesagt? Während man noch darüber rätselt, wie intim die Beziehung des Musikers zu seinem Instrument sein mag, eskaliert die Situation. Zu einer flotten, volkstümlichen Melodie beginnt er zu singen: „Der Islamist ist ein armer Wicht, gute Laune kennt er nicht, hat keine schöne Volksmusik, drum führt er gern Guerillakrieg“. 

Schwarz, zynisch, radikal

Spätestens jetzt weiß jeder: Das kann nur Andreas Rebers sein, der da in der Lagerhalle seine ganz spezielle Art von Humor unters Volk bringt. Und die ist schwarz, zynisch, radikal. „Sehr geehrte Damen und Herren, das folgende Programm könnte Spuren von Satire enthalten“, tönt es, wie sich später herausstellt, ziemlich untertreiberisch, aus den Boxen, bevor der Kabarettist die Bühne betritt. Die Warnung kommt an. Denn sobald Rebers zum Mikrophon greift, ist man mittendrin – in einem Land, in dem so einiges aus dem Ruder läuft.

Politische Statements

Höchst aktuell nimmt er das Türkentreffen in Oberhausen aufs Korn, bei dem Ministerpräsident Binali Yildirim für die Einführung des Präsidialsystems in der Türkei warb. „Leider hatte sich die Giftwolke über der Stadt schon verzogen“, bedauert der Kabarettist und bezieht sich damit auf den Chemieunfall, der kürzlich in Oberhausen für Verletzte sorgte. Und er setzt noch einen drauf: „Ich dachte immer, das seien unsere Landsleute, zu denen Yildirim da gesprochen hat. Wenn er meint, das seien seine Landsleute, dann soll er sie doch gleich mitnehmen.“

„Frau Flüchtling“

So balanciert der gebürtige Niedersachse auf einem Grad, auf dem ernst geäußerte Meinung und Satire verschwimmen. Meint der Wahlmünchner tatsächlich, dass unsere Kinder heutzutage „in Grund und Boden gekuschelt werden“? Stehen für ihn „Gleichberechtigung der Geschlechter und das Recht auf Selbstbestimmung“ tatsächlich nicht zur Disposition, wenn er von „Frau Flüchtling“ erzählt? Die habe er sich direkt vom Münchner Bahnhof geholt und die integriert er, indem er ihr „German Putzing“ beibringt.

„Amen“ heißt das Programm, mit dem Rebers seine Botschaft verkündet: Er habe nichts gegen Religionen und Götter, nur will er sich nicht vorschreiben lassen, wie er zu glauben hat. Daher habe er eine eigene Religion gegründet, die alle möglichen Glaubensrichtungen in sich vereint: die „schlesischen Bitocken“. Damit setze er ein Zeichen für Pluralismus und Humanität, denn im Gegensatz zu anderen Kirchen suchten die Bitocken das „Verbindende und nie das Trennende“ zwischen den Menschen.

„Islamistenpolka“

Rebers muss man mögen. Man muss damit klar kommen, dass da ein „linker Reicher“ zu einem spricht, der es angeblich nicht nötig hat, mit Kabarett sein Geld zu verdienen. Daher kann er es sich wohl auch leisten, mit wachsender Begeisterung hinterhältig und vor schwarzem Humor triefend auf der grün-alternativen Nachbarin Frau Hammer mit ihrem „allein erziehenden Kind“ herumzuhacken.

„Ich bin kein Wir-Kabarettist“, sagt er. Tatsächlich bleibt im Publikum so mancher Lacher in der Kehle stecken und manchmal wird es ob der bedrohlichen Visionen sehr leise im Saal. Doch schnell fängt Rebers solch düstere Stimmungen mit einem heiteren Liedchen auf. Zum Beispiel mit der erwähnten „Islamistenpolka“.