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Radschnellweg in der Diskussion Umdenken fällt schwer

Meinung – Rainer Lahmann-Lammert | 05.06.2018, 21:12 Uhr

Die Anwohner aus dem Widukindland sind nicht entzückt, dass bei ihnen der Radschnellweg gebaut werden soll. Aber sind die aufgezeigten Probleme wirklich so schwerwiegend? Unser Kommentator rät, den Blick über den Tellerrand zu werfen.

Morgens und nachmittags lange Schlangen, verstopfte Straßen, schlechte Luft: 50000 Pendler kommen jeden Tag nach Osnabrück, die meisten von ihnen mit dem Auto. Und die Stadt hat wenig in der Hand, um den Verkehr in erträgliche Bahnen zu lenken. Da ist es schon ein Glücksfall, dass Bund und Land mehrere Millionen Euro zur Verfügung stellen, um neue Wege der Mobilität auszuprobieren. Und was ist die Reaktion? Bedenken, Vorbehalte, Misstrauen. Das kann ja wohl nicht alles gewesen sein! Es ist an der Zeit, den Blick über den Tellerrand zu werfen, um die Dimensionen zu erkennen. Und den Planern Danke zu sagen für ihre Weitsicht und ihr Engagement.

Es ist verständlich, dass die Anlieger zuerst einmal ihre Grundstückszufahrten im Auge haben, wenn Veränderungen bevorstehen. Aber die aufgezeigten Sorgen sind keine große Geschichte im Vergleich zu den Problemen, die der entfesselte Autoverkehr an anderer Stelle anrichtet. Zumal die Verantwortlichen der Stadt alles tun, um den Anliegern entgegenzukommen.

Das Neue am Radschnellweg ist, dass hier nicht mehr der motorisierte Individualverkehr im Vordergrund steht. Ja, die Autos müssen sogar warten, wenn Radler den Haster Weg kreuzen wollen. Ein starkes Signal: Wer auf vier Rädern in die Stadt kommt, ist zwar willkommen, aber nicht automatisch bevorrechtigt.

Umdenken fällt vielen schwer. Aber Osnabrück hat die Chance, sich zum Besseren zu verändern.