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Radfahren nicht OB-kompatibel Spendenziel nicht erreicht: OB Griesert gleicht Differenz aus

Von Jörg Sanders | 21.09.2017, 09:12 Uhr

Wäre bis zum Freitag eine Spendensumme von 600 Euro für terre des hommes zustande gekommen, hätte Osnabrücks Oberbürgermeister Wolfgang Griesert seine Dienstgeschäfte einen Tag lang mit dem Rad erledigt. Doch nur 120 Euro kamen bei seiner „Challenge“ zusammen. Die Differenz will Griesert übernehmen. Dafür bleibt sein Rad wohl stehen: Es sei „oberbürgermeisterberufsalltagsinkompatibel“.

Die Osnabrücker Hilfsorganisation terres des hommes hatte die Jubiläumskampagne „Wie weit würdest du gehen“ ins Leben gerufen, um Kindern in Entwicklungsländern einen Schulbesuch zu ermöglichen. Dabei kann jeder auf der Internetseite „Wie weit würdest du gehen“ eine Herausforderung, eine sogenannte Challenge, starten und Spenden sammeln. Für 600 Euro kann die Organisation eigenen Angaben nach zehn Kinder ein Jahr lang zur Schule schicken.

Ein Fünftel erreicht

600 Euro waren auch das Ziel, das sich Griesert bei seiner Challenge „Mit dem Rad durch den Tag“ bis zum 15. September gesetzt hatte. Bei Erreichen des Ziels wollte er „an einem Tag bei Wind und Wetter alle Termine mit dem Rad wahrnehmen“, heißt es in seiner Challenge. Das Ziel wurde verfehlt: 120 Euro kamen zusammen. Wer gespendet hatte, ist auf der Seite nicht zu sehen.

Griesert zahlt Differenz

Dabei soll es aber nicht bleiben. „Anlässlich meines 60. Geburtstages am 6. Oktober werde ich meine Challenge einlösen, indem ich insgesamt 600 Euro – 200 Euro an terre des hommes, 200 Euro an die Osnabrücker Tafel und 200 Euro an die „Stiftung Tierschutz Osnabrück und Umgebung – spende“, teilt Griesert auf Anfrage unserer Redaktion mit. Statt Geschenken wünsche er sich möglichst viele Nachahmer.

Mobile Zukunft will 40.571 Euro

Das Projekt Mobile Zukunft von Stadt und Stadtwerke Osnabrück beteiligt sich mit der Frage „Wie weit würdest du gehen, um den Stau in Osnabrück zu reduzieren?“ an dem Spendenprojekt. Es soll Autofahrer animieren, auf Rad und Bus umzusteigen und gleichzeitig Gutes zu bewirken – für Kinder und die Umwelt. Bis zum 31. Januar 2018 sollen 40.571 Euro an Spenden zusammenkommen – 50 Cent für jedes in Osnabrück gemeldete Auto, 81.138 in der Summe. 

VfL-Spiel sammelt am Samstag spenden

Weitere Unternehmen und Organisationen aus Osnabrück unterstützen das Projekt, etwa der VfL Osnabrück. „Das Spiel gegen FC Würzburger Kickers am 23. September wird autofrei. Das bedeutet, dass Fans, die mit dem Auto anreisen, freundlich um eine Parkgebühr von fünf Euro gebeten und an den Haltestellen freiwillige Spenden gesammelt werden“, hatte VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehland im August gesagt.

218 Challenges sind bislang online, die bis zum Mittwochmittag 217.156 Euro einbrachten. Das reicht terre des hommes zufolge aus, um 3619 Kinder ein Jahr lang zur Schule zu schicken.

Ende 2016 wurde das Projekt „Mobile Zukunft – Osnabrück geht vor“ von Stadt und Stadtwerken Osnabrück ins Leben gerufen. Es widmet sich einer nachhaltigen, zukunftsgerechten und urbanen Mobilität – einem der strategischen Ziele der Stadt. Das soll unter anderem durch weniger Autos erreicht werden.

Bleibt das Rad stehen?

Wird Griesert als Co-Chef von Mobile Zukunft trotz des nicht erreichten Spendenziels dennoch für einen Tag das Auto stehen lassen? Nein. „Es hat sich herausgestellt, dass das zweite Ziel völlig oberbürgermeisterberufsalltagsinkompatibel ist“, sagt Stadtsprecher Sven Jürgensen auf Nachfrage. Viele Termine Grieserts lägen ohnehin im direkten Umfeld, und der Terminkalender sei zeitlich eng.