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„Putzige Kiärls un lustige Sprüerke“ Der Wort- und Buchhalter der Heger Laischaft gibt bekannt: Die Altstadt muss geschmückt werden

Von Jann Weber | 06.09.2011, 17:43 Uhr

Fichtenzweige aus dem Heger Holz schmücken die Altstadt. Für das Fest der Heger Laischaft fehlen jedoch noch lustige Puppen mit Sprüchen in den Schaufenstern und vor den Geschäften. Bis gestern hatten sich wenige Händler an dieser Tradition beteiligt. Doch das kann sich bis heute Abend noch ändern.

Sollte es jemand seit dem vorherigen Schnatgang-Fest der Heger Laischaft vor sieben Jahren vergessen haben: Gestern um 17 Uhr bestieg Wort- und Buchhalter Frank Henrichvark mit seiner Gefolgschaft die Rathaustreppe und verkündete dies: „Bekanntmaakung! Van’t Joar sünd wi van de Hierger Leeskupp wedder an de Riege, usen Schnautgang to fiern. Und wie föddert ju olle up, de Hüüser un de Strauten met Meeböume un Girlanden, met putzige Kiärls un lustige Sprüerke ut to staffeern. Middewiärken Aubend möt ollens ferrig sein. Un wekke da nich metmaaket, die kann et eerst in siärben Joaren wedder nauhalen. De Vörstand van de Hierger Leeskupp: Olle use!“ Seine Zuhörer riefen zur Antwort ebenfalls „Olle use!“

Peter Mohrbutter blies ins Hirtenhorn, Michael Decker spielte auf der Wolfstrommel. Diese Instrumente gehörten vor Jahrhunderten zum Viehtrieb aus der Altstadt durchs Heger Tor zu den Ländereien der Eigentümergemeinschaft – und wieder zurück.

In der Altstadt trafen sich Frauen, um weiteren Schmuck für die Häuser aus Fichtenzweigen zu binden – oder zu kränzen, wie es heißt. Auch außerhalb des großen Traditionsfestes treffen sie sich: Sie gehören den drei Kaffeekränzchen der Heger Laischaft an.

Während ihrer Arbeit an den Zweigen warfen sie ein Licht auf die Rolle der Frauen. Und die schätzt Marie-Luise Jung als „tragend“ ein: „Wir Frauen geben die Tradition an die nächsten Generationen weiter.“ Eine Mitstreiterin kommentierte aus dem Hintergrund: „Und die Männer sind im Wald!“ Ob der Seitenhieb ernst gemeint war, blieb offen.

In dem Hinterhof von Marianne Meyer an der Großen Gildewart hantierten Gisela Langenberger, Christel Lührmann und Monika Vieth mit Fichtenzweigen. Auch sie treffen sich regelmäßig beim Kaffeekränzchen und alle sieben Jahre zum Kränzen.

Dass sich bisher nur wenige mit „putzigen Kiärls un lustigen Sprüerke“ am Laischaftsfest beteiligen, ist für Marianne Meyer kein Wunder: „Viele neue Hauseigentümer in der Altstadt haben mit der Laischaft nichts zu tun. Und es kann ja auch kaum noch jemand Plattdeutsch.“

Sie und ihre Freundinnen erinnerten sich: Früher hätten die Geschäftsleute mit ihren ausgehängten Sprüchen aktuelle Themen aufgegriffen und Politiker kritisiert.

Bei einem Rundgang durch die Altstadt zeigte sich, dass sich doch schon manche vor der Mittwochabendfrist an der Tradition beteiligen. In einem Fachgeschäft steht auf einem Schild über der Ware: „Düt is olle use, wenn Du et köfst, is et olle Diene.“ In einem Geschäft nebenan zieht eine Schaufensterpuppe in einem historischen Kleid die Blicke auf sich.

Die Marienkirche wirbt ebenfalls in eigener Sache: „Düsse Kiärke mürt ji bekieken.“ Vor dem Rathaus meldet sich der Oberbürgermeister mit einer Schrifttafel zu Wort: „Un dat mi keinene vogitt, dat tau Wahl hengaun böüwerste Bügerpflicht is.“