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Prozess vor dem Landgericht: Plädoyers Diebstähle nicht bandenmäßig?

Von Joachim Dierks | 01.09.2011, 04:00 Uhr

Seit elf Monaten verhandelt das Landgericht gegen vier Männer aus dem südlichen Landkreis und dem angrenzenden Westfalen wegen bandenmäßigen Diebstahls von Landmaschinen, Baugeräten und Motorrädern. Die Staatsanwältin hat jetzt in ihrem Plädoyer Freiheitsstrafen zwischen zwei und fünf Jahren gefordert. Die Verteidiger hingegen bestritten ein banden- und gewerbsmäßiges Vorgehen und hielten Bewährungsstrafen für ihre geständigen Mandanten für ausreichend.

Am meisten Zeit, nämlich eine gute Stunde, brauchte der Anwalt des 40-jährigen Viehhändlers aus Werther für seinen Versuch, das Gericht davon zu überzeugen, dass sein Mandant nicht der Anstifter und Rädelsführer sei, als den die Anklage ihn hingestellt und deswegen eine Verurteilung zu fünf Jahren gefordert habe. Unbestritten habe sein Mandant seine Scheune zur Zwischenlagerung von Diebesgut und teilweise auch seinen Anhänger für den Transport zur Verfügung gestellt. Dabei sei er zunächst ahnungslos gewesen. Ab einem gewissen Zeitpunkt habe er das Diebesgut vermuten können. Aber nur in zwei von 16 Fällen habe er Maschinen selbst verwertet und insofern Hehlerei begangen. Organisation der Diebstähle, Beschaffung und Weiterverkauf seien ihm nicht anzulasten.

Das sei allein Sache des Angeklagten Nummer zwei im Diebes-Quartett gewesen. Die Auswertung der Handy-Gespräche des 29-jährigen Versmolders habe intensive Kontakte mit fünf bis sechs weiteren Männern ergeben, die als Mittäter oder zumindest Hehler in Betracht kämen. Der Anwalt des Mannes aus Werther bemängelte, dass hier nicht eingehender ermittelt worden sei und stattdessen die Staatsanwältin offensichtlich den Aussagen der übrigen Angeklagten Glauben schenke. Die hätten sich aber intern abgesprochen, seinem Mandanten alles in die Schuhe zu schieben.

Der Verteidiger des Versmolders räumte ein, dass sein Mandant an 15 der insgesamt 16 angeklagten Taten beteiligt gewesen sei. Von einem bandenmäßigen und damit strafverschärfend wirkenden Vorgehen könne jedoch keine Rede sein. Der Verteidiger hielt daher die von der Staatsanwältin geforderten vier Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe für viel zu hoch. Zwei Jahre seien angemessen.

Auch die Verteidiger der Angeklagten Nummer drei und vier verneinten eine Bandenstruktur und die Gewerbsmäßigkeit. Ihre Mandanten seien nur Befehlsempfänger gewesen, daher seien Bewährungsstrafen von zwei Jahren oder weniger zu verhängen.

Das Urteil wird am 5. September gesprochen.