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Professor für E-Business in Osnabrück Mit Schnelligkeit und einer Akzeptanz des Scheiterns

Von Stefan Buchholz, Stefan Buchholz | 20.02.2017, 17:39 Uhr

Wie ist es um die Digitalisierung des Handels in Deutschland bestellt? Geht so, befand Autoscout24-Mitbegründer Tobias Kollmann. Der Professor für E-Business schlug auf dem Neujahrsempfang des Bundesverbandes der Dienstleistungsunternehmen (BDD) vor, wie man es besser macht.

Was bei der sogenannten Industrie 4.0 schon klappt – nämlich eine Vernetzung der Nullen und Einsen – das hat die Wirtschaft noch nicht erreicht, meinte Kollmann. Der erste Grund: Noch immer fehle es am schnellen Internet. „Wir lügen uns in die Tasche, wenn wir glauben, dass wir nächstes Jahr 50 Mbit pro Sekunde haben. Das ist viel zu wenig, denn wir leben schon längst in der Gigabyte-Gesellschaft.“ Der zweite Grund, warum sich der Handel mit der Digitalisierung schwer tut: Es brauche die richtige Verknüpfung von Daten. Machtvolle Plattformen wie etwa Facebook (ohne eigene Inhalte), Airbnb (ohne eigenen Wohnraum) und Uber (ohne eigene Taxis) hätten ein Bedürfnis oder Problem „digital“ erkannt, meinte Kollmann. Daraus hätten die Plattformen als erste „digitale“ Angebote und damit Umsatz gemacht.

Langfristig „gesellschaftliche Leitplanken“

Was künftig möglich sein kann, skizzierte der gelernte Volkswirtschaftler an der Echo-Box von Amazon: Sie soll etwa sprachgesteuert Musik abspielen, Nachrichten präsentieren – und dem Konsumenten die Möglichkeit bieten, auf Zuruf via Amazon einzukaufen. „Rewe und wie sie alle heißen haben die Schweißperlen auf der Stirn“, so Kollmann. Wie aber gelingt die Verknüpfung der Nullen und Einsen? Nur über den Zukauf von Technik nicht, sagte der E-Businessprofessor. Es brauche Schnelligkeit („Naturgesetz der Digitalisierung“), eine Akzeptanz des Scheiterns statt jahrelanger Entwicklungszeit und – weil es an kreativen Köpfen fehlt: die Digitalisierung gehöre in die Schulen. Ebenso müssten langfristig „gesellschaftliche Leitplanken“ gezogen werden, um den Wandel sozial abzusichern.

Digitalisierte Diepholz als Beispiel

Vielen in Handel und Wirtschaft falle es schwer, den „disruptiven Ansatz“ nachzuvollziehen, mit dem die Digitalisierung schon längst Fakten schaffe, sagte Stefan Genth. Der Hauptgeschäftsführer des deutschen Einzelhandels riet Dienstleistern gleich welcher Branche, die digitale Schnittstelle zum Kunden im Auge zu behalten, weil es keine Kundentreue mehr gebe. Auch wenn es schon zu spät sei, große kundenbasierte Plattformen aufzubauen, könnten Einzelhändler sich zusammenschließen. Beispiel, das digitalisierte Diepholz: Dort finde man Dienstleister, die auf einer Ebay-basierten Plattform ihre Waren anböten.

Osnabrück als relevante Region wahrgenommen

Digitale Kooperationen könnten auch in Osnabrück funktionieren, meint BDD-Präsident Uwe Göbel . Als Logistikstandort liefen hier weltweite Daten auf und mit der Universität und Hochschule Osnabrück bilde man auch qualifiziertes Personal aus. „Osnabrück ist neuerdings im Monitor der deutschen Start Up-Szene als relevante Region wahrgenommen worden“, ergänzte Tobias Kollmann. „Gerade im Bereich von Hochschulen in Verbindung mit einer guten Standortpolitik kann man viel machen.“