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[’pro:c-dur] im Haus der Jugend Völlig ungleiches Duo: Zwischen Rammstein und Brahms

Von Jan Kampmeier | 24.07.2014, 20:14 Uhr

Das Duo [’pro:c-dur] spielt im Haus der Jugend Klassik und Rock und mischt Musik mit allerlei Geschichten und purem Blödsinn.

Osnabrück. Timm Beckmann beginnt nach reichlich Vorgeplänkel mit einem Chopin-Walzer. Die Betonung beim Kabarettkonzert von [’pro:c-dur] liege schließlich auf dem Wort Konzert. Etwas ungewohnt klingt der Walzer nur deshalb, weil das Klavier im Innenhof hinter dem Haus der Jugend verstärkt wird.

Doch ob der Auftritt nun wirklich in der Hauptsache als Konzert anzusehen ist, scheint doch eher zweifelhaft. Nach dem Chopin-Walzer kommt auch E-Gitarrist Tobias Janssen auf die Bühne. Der trägt Unterhemd und hat tätowierte Oberarme, während Timm Beckmann im Anzug steckt. Die beiden bilden wirklich ein ungleiches Duo, zoffen sich auf der Bühne immer wieder und sind ziemlich locker drauf. Musikalisch mischen sie schon mal in einem Stück Musik von Bach, Grieg und Bizet mit Klängen von Metallica und überschreiten auch sonst lustig Stilgrenzen. Da röhrt Timm Beckmann etwa „Guten Abend, gut Nacht“ wie bei Rammstein, und zwar weil Brahms‘ Vertonung ja klinge „wie rosa Frottee-Unterwäsche“. Auch Tobias Janssen hält mit: Zunächst „singt“ er die berühmte Arie der Carmen auf der E-Gitarre, packt dann plötzlich „La Paloma“ darüber und wechselt mehrfach hin und her, und im direkten Anschluss gibt es ein Rock-Medley.

Der ganze Abend dreht sich um Musik, und [’pro:c-dur] verzapft dabei so allerhand Blödsinn, wie zum Beispiel im Anschluss an den berühmten Hummelflug von Komponist Rimski-Korsakow über dessen Arbeit für den KGB. Solche skurrilen Geschichten können amüsant und lustig sein. Andererseits kommt dabei manchmal auch eher wenig rum. Timm Beckmann gibt, durchaus zum Vergnügen des Publikums, gerne den Choleriker, doch das Ergebnis enttäuscht: Celine Dion sei keine Klassik, Celine Dion sei auch kein Rock, sondern scheiße – das ist reichlich mager für einen derart langen Vorlauf.

Sehr breit ausgewalzt wird auch die Debatte der beiden um die Nationalhymnen der Welt, die ewig dauert und fast die gesamte zweite Hälfte des Abends füllt. Das bedeutet nicht, dass sich da keine originellen Einfälle finden, so etwa Timm Beckmanns Vorschlag für eine EU-Alternativhymne, die mit Bachs d-moll Toccata beginnt, dann (weil es mit dem selben Motiv anfängt) „Final Countdown“ aufgreift und etwa auch „Money Money Money“ von ABBA mit einbezieht.

Der skurrile Abend klingt dann doch noch ganz ruhig aus: Gemeinsam mit dem Publikum wird gesungen: „Der Mond ist aufgegangen.“