Ein Artikel der Redaktion Neue Osnabrücker ZeitungLogo Neue Osnabrücker Zeitung

Premiere von „Verrücktes Blut“ Jugend Club Amigos Bandidos begeisterte

Von Uta Biestmann-Kotte | 07.07.2014, 19:20 Uhr

„Verrücktes Blut“ heißt das 2011 ausgezeichnete Stück von Nurkan Erpulat und Jens Hillje, das Theaterpädagoge Dietz-Ulrich von Cettritz intensiv mit dem multikulturellen Jugendclub Amigos Bandidos inszenierte.

Eine Lehrerin auf verlorenem Posten. Während Frau Kelich tapfer wie vergeblich über Friedrich Schillers Ästhetik redet, pöbeln die Schüler im Hintergrund herum oder schalten völlig ab. Als aus der Tasche von Klassen-Macho Musa eine geladene Pistole fällt, droht die Situation vollends zu eskalieren. „ Verrücktes Blut “ heißt das 2011 ausgezeichnete Stück von Nurkan Erpulat und Jens Hillje , in dem Themen wie Gewalt und das Gefühl, mit dem Etikett „Kanake“ vorverurteilt zu sein, mit einer Schulprobe des Schiller-Dramas „Die Räuber“ verknüpft werden.

Mit dem multikulturellen Jugendclub Amigos Bandidos inszenierte Theaterpädagoge Dietz-Ulrich von Czettritz ein im besten Sinne intensives Stück, das am Sonntag im Treffpunkt für Kultur und Kunst des Ameos-Klinikums Premiere hatte.

In 70 Minuten sorgten die jungen Akteure im Alter zwischen 15 und 20 Jahren dabei durchweg für Begeisterung. Mit Goldkette und aggressivem Macho-Gehabe gab etwa Yunus Erdemir als Musa den Albtraumschüler schlechthin, bei dem Mobbingopfer Hasan (Nico Kleimusch) froh sein muss, mit einem blauen Auge davonzukommen. Nicht weniger ruppig kam Resul Siyah als Bastian rüber, dessen Selbstverständnis sich von seinem „Superman“-Shirt ableiten lässt. Überzeugend auch die 26-jährige Gastspielerin und Lehramtsstudentin Isabelle Bosch als Frau Kelich.

Zwischen den Szenen boten Schüler-Darsteller Christopher Lassack und Ibrahim Siyah mit ihrer cool gerappten „Räuber“-Version zudem ein Gegengewicht zur theoretisch gestressten Lehrerin. Dass sich Frau Kelich die Waffe schnappt und die widerspenstigen Jugendlichen zur Probenarbeit zwingt, wirkte da nur vordergründig wie ein Befreiungsschlag.

Denn was sind die edelsten Bildungsprinzipien wert, wenn sie nur mit Waffengewalt durchzusetzen sind? Als schließlich Kopftuchträgerin Mariam (Fatma Caylak) an die Waffe gerät, Mordgedanken in der Luft liegen und sich Schüler und Lehrerin zur „Räuber“-Einheit finden, scheint ein gutes Ende Schillers Schlusswort zum Trotz wenig wahrscheinlich: „Dem Mann kann geholfen werden.“ Frau Kelich auch?

Weitere Vorstellungen von „Verrücktes Blut“ am 9./11. Juli, 19.30 Uhr, im Treffpunkt für Kunst und Kultur, Ameos-Klinikum.