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Premiere ausverkauft „Zirkus des Horrors“ überzeugt in Osnabrück

29.08.2015, 12:25 Uhr

Fleischerhacken vermutet man normalerweise - wenn überhaupt - eher in der Metzgerei. Nicht so beim Zirkus des Horrors , der am Freitagabend auf dem Festplatz an der Halle Gartlage seine Premiere in Osnabrück feierte. „Wir sind so gut wie ausverkauft“, erklärte Kevin Leppien, Verantwortlicher für PR und Marketing. Am Ende gab es von den insgesamt rund 1400 Besuchern Standing Ovations.

„Nimm‘ die Hände aus den Taschen Du Assi!“ Schon am Einlass wurde den nichtsahnenden, neugierigen Besuchern von einer im Gesicht erblassten, mit Narben versehen und griesgrämig dreinblickenden Dame - alles geschminkt versteht sich - unmissverständlich klar gemacht, dass im  Zirkus des Horrors alles eine Spur anders läuft, als man es von konventionellen Zirkusvorstellungen her gewohnt ist. Einer nach dem anderen verschwanden die vor dem Eingang in Scharen wartenden Gäste hinter der Eingangstür im „Vorhof der Hölle“, aus dessen Innerem pausenlos das Heulen von Kettensägen-Motoren, Benzingeruch und lautes Geschrei nach draußen drang.

Mit dem Beginn der Vorstellung wich sodann auch das letzte Quäntchen Normalität endgültig dem Schrecken: Skurrile Kreaturen in mittelalterlichen Kapuzenumhängen trugen von düsteren Klängen begleitet einen Sarg in die Manege, aus dem Nosferatu, der Vampir, in persona erschien. Der „Herrscher der dunklen Welt“ führte die Zuschauer moderierend und zugleich am Bühnengeschehen aktiv teilnehmend durch den knapp zweieinhalbstündigen Abend, den eine zwanzigminütige Pause spaltete.

Eine imposante Lichtshow, aus dem Boden sprießende Feuerflammen und lauter aufwendig geschminkter Zombies und sonstiger Schreckgestalten, täuschten dabei keineswegs über die tatsächlichen artistischen Leistungen der Künstler hinweg: Atemberaubende Schwungseil- und Handstandakrobatik, Artisten, die an durch den Rücken gebohrten Fleischerhacken wie verrückt unter der Zirkuskuppel zappelten oder in zwölf Meter Höhe auch mal mit verbundenen Augen auf dem „Rad des Todes“ ohne Sicherung waghalsige Stunts vollführten und nicht zuletzt Motorradfahrer, die  quer durch die Manege flogen, waren nur einige der absoluten Höhepunkte.

Aufgelockert wurde die teilweise an der imaginären Schmerzgrenze der Zuschauer gestrickte Show, durch die Auftritte des mürrisch aufgelegten Clowns Maleficus. „Heb‘ mal kurz die Hand“, sagte er zu Lambert, einem der Zuschauer, und brüllte dann hinterlistig: „Wir haben einen Freiwilligen!“ Und so musste Lambert fortan Einiges über sich ergehen lassen – der Messerwurf wird ihm sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben. Dabei ist Maleficus, der im echten Leben Milano Kaiser heißt und 23 Jahre alt ist, ansonsten alles andere als ein mürrischer Kerl: „Ich war früher mal normaler Clown und normaler Feuerspucker“, erzählt er offen, „heute mache ich eben das. Ich bin freaky, ich steh auf sowas.“

Milano ist Clown und Feuerspucker seitdem er etwa 16 Jahre alt ist. Aber auch die anderen Künstler blicken trotz ihres jungen Alters auf eine lange Zirkuskarriere zurück. „Ich bin mein Leben lang im Zirkus“, erzählte etwa Maik Sperlich, dessen Eltern die Zirkusdirektoren sind und der sich zusammen mit seinem Neffen Siegfried Sperlich, auf dem besagten Rad des Todes zu Hause fühlt.

Hinsichtlich des Berufs scheinen die Künstler auf jeden Fall alles richtig gemacht zu haben, denn die Premiere-Besucher waren begeistert: „Das war Eins A!“ konstatierte etwa ein hingerissener Familienvater, „die sind richtig an die Grenze gegangen.“