Ein Artikel der Redaktion

Wasser und Landwirtschaft Klimawandel stellt Wasserwirtschaft in der Region Osnabrück vor Herausforderungen

Von Michael C. Goran | 19.10.2021, 17:15 Uhr

Eine hochkarätige Fünfergruppe aus Wissenschaftlern, Praktikern, Versorgern und Interessenvertretern ist jetzt zum Podiumsgespräch zum Thema „Wasser und Landwirtschaft“ im Osnabrücker Museum Industriekultur zusammengekommen.

Die Expertenrunde fand dort in Kooperation mit der Volkshochschule Osnabrück im Rahmenprogramm der Ausstellung „Über Wasser“ statt. Die Diskussionsteilnehmer sprachen über aktuelle Probleme und Entwicklungen in der Wasserwirtschaft. Die Moderation übernahm der NDR-Journalist Daniel Sprehe.

„Die Dürrejahre 2019, 2020 waren für die landwirtschaftlichen Betriebe, vor allem hier in der Region Osnabrück, sehr ertragsschwache Jahre“, sagte Friedrich Brinkmann, Geschäftsführer des Hauptverbandes Osnabrücker Landvolk.

Ralph-Erik Schaffert, Geschäftsführer des Wasserverbandes Bersenbrück, berichtete vom explodierenden Wasserbedarf in den trockenen Sommern: „Unsere Wasserabgabe ist in den letzten Jahren um eine Million Kubikmeter gestiegen. Im Trockenjahr wurden 100.000 Kubikmeter Wasser mehr in der Landwirtschaft gebraucht.“ Aktuell handele es sich nicht um ein Problem der Knappheit, sondern der Verteilung. Die Nachfrage sei groß und die Netze nicht darauf ausgelegt. Der Wasserverband rechne mit stärker steigenden Temperaturen. „Wir bereiten uns darauf vor, dass wir durch den Klimawandel künftig 3,8 Grad mehr haben. Das ist aktuell die Tendenz. Zwei Grad sind meines Erachtens nicht mehr zu halten“, so Schaffert.

Der Landwirt Cord Leiber, der eine Bullen- und Schweinemast betreibt, steuerte seine Praxiserfahrung als Landwirt bei: „Wenn man die Hälfte der Erträge der durchschnittlichen Jahre hat, dann heißt das, wenn das Wasser fehlt, ist es mit der Wirtschaftlichkeit dahin.“ Fleischproduktion sei wasserintensiv und Leiber betonte, dass die Landwirte das Grundwasser schützen wollten. „Doch je mehr die Bevölkerung oder die Politik darauf besteht, einen Welthandel zu betreiben, der mit Nahrungsmitteln extremer als in anderen Bereichen stattfindet, dann muss man mit Produktionsbedingungen klar kommen, die manchmal nicht gut für die Natur sind.“

Der emeritierte Professor Herbert Zucchi ist Tierökologe. Er sieht die biologische Vielfalt in Gefahr: „Ich habe in diesen Trockenjahren selbst gesehen, wie Lebensräume immer trockener wurden und die entsprechenden Arten verschwunden sind. Wenn der Klimawandel weiter voranschreitet, ist das sicher ein Prozess, der weitergehen wird.“

Die international renommierte Professorin Claudia Pahl-Wostl von der Universität Osnabrück sah Innovationsmöglichkeiten und stellte die Systemfrage: „Ich sehe eine gewisse Notwendigkeit des Umdenkens des gesamten Systems. Wäre es für die Landwirte vielleicht besser, sie hätten weniger Tiere und könnten bei höherer Qualität ökologischer produzieren?“ Letztlich würde dies aber höhere Preise für die Verbraucher bedeuten. Und fraglich sei, ob sie diesen Weg mitgehen würden, denn eine Studie der Hochschule Osnabrück zum Tierwohllabel aus dem Jahr 2019 zeige, dass beim Einkauf günstiges Fleisch solchem aus einer besseren Haltung nach wie vor vorgezogen werde.

Die Ausstellung „Über Wasser“ kann im Museum Industriekultur Osnabrück bis zum 31. Oktober besucht werden.